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"The place for me": Karibische London-Texte der Nachkriegszeit im Spiegel von Michel de Certeaus "Gehen in der Stadt"


Frank, Michael C (2016). "The place for me": Karibische London-Texte der Nachkriegszeit im Spiegel von Michel de Certeaus "Gehen in der Stadt". In: Benz, Maximilian; Dennerlein, Katrin. Literarische Räume der Herkunft: Fallstudien zu einer historischen Narratologie. Berlin und Boston: De Gruyter, 357-382.

Abstract

Herkunftsräume werden für die Handlung literarischer Texte zumeist dann bedeutsam, wenn eine Figur ihren Herkunftsraum verlässt und/oder ihn wieder betritt. Im vorliegenden Beitrag soll es jedoch um eine andere Art der Thematisierung des Herkunftsraums gehen, für welche die anglokaribische Migrationsliteratur der Nachkriegszeit beispielhaft ist. Konkret untersucht werden der Liedtext "London Is the Place for Me" (1948/1951) des trinidadischen Calypso-Sängers Lord Kitchener sowie der Roman "The Lonely Londoners" (1956) des ebenfalls aus Trinidad stammenden Schriftstellers Sam Selvon. Bei Einsetzen der Handlung haben die Figuren hier jeweils den Herkunftsraum bereits verlassen; der Übergang vom Herkunfts- in den Ankunftsraum ist zwar Voraussetzung für die Handlung, nicht aber ihr Gegenstand. Ebenso wenig kommt es zu einer Rückkehr in den Herkunftsraum, selbst wenn eine solche in Erwägung gezogen wird. Stattdessen werden Herkunfts- und Ankunftsraum auf unterschiedliche Weisen miteinander in Berührung gebracht. In der Wahrnehmung der Figuren werden Elemente, die mit Jamaika oder Trinidad assoziiert sind, auf London projiziert. Und auf der Ebene der Figurenhandlungen werden Londoner Schauplätze mit Praktiken erfüllt, welche die westindischen Migranten aus ihren Herkunftsländern mitgebracht haben. Während zur Beschreibung des ersteren Phänomens bereits verschiedene Ansätze vorliegen (wie das Konzept der 'Translokalisierung'), stellt letzteres eine größere Herausforderung dar. Mit Michel de Certeaus Theorie der Herstellung von Raum ('espace') durch die kreative Nutzung vorgegebener Orte ('lieus') argumentiert dieser Beitrag, dass in beiden Texten die Figurenhandlungen raumkonstitutiven Charakter haben. Die Texte rufen ein 'Konzept' von London auf, um es auf Handlungsebene mittels räumlicher Praktiken zu transformieren. Sie unterlaufen dadurch eine einfache Opposition von Herkunfts- und Ankunftsraum, indem sie Überlagerungen zwischen beiden Räumen herstellen und so ein verwandeltes London in Szene setzen.

Abstract

Herkunftsräume werden für die Handlung literarischer Texte zumeist dann bedeutsam, wenn eine Figur ihren Herkunftsraum verlässt und/oder ihn wieder betritt. Im vorliegenden Beitrag soll es jedoch um eine andere Art der Thematisierung des Herkunftsraums gehen, für welche die anglokaribische Migrationsliteratur der Nachkriegszeit beispielhaft ist. Konkret untersucht werden der Liedtext "London Is the Place for Me" (1948/1951) des trinidadischen Calypso-Sängers Lord Kitchener sowie der Roman "The Lonely Londoners" (1956) des ebenfalls aus Trinidad stammenden Schriftstellers Sam Selvon. Bei Einsetzen der Handlung haben die Figuren hier jeweils den Herkunftsraum bereits verlassen; der Übergang vom Herkunfts- in den Ankunftsraum ist zwar Voraussetzung für die Handlung, nicht aber ihr Gegenstand. Ebenso wenig kommt es zu einer Rückkehr in den Herkunftsraum, selbst wenn eine solche in Erwägung gezogen wird. Stattdessen werden Herkunfts- und Ankunftsraum auf unterschiedliche Weisen miteinander in Berührung gebracht. In der Wahrnehmung der Figuren werden Elemente, die mit Jamaika oder Trinidad assoziiert sind, auf London projiziert. Und auf der Ebene der Figurenhandlungen werden Londoner Schauplätze mit Praktiken erfüllt, welche die westindischen Migranten aus ihren Herkunftsländern mitgebracht haben. Während zur Beschreibung des ersteren Phänomens bereits verschiedene Ansätze vorliegen (wie das Konzept der 'Translokalisierung'), stellt letzteres eine größere Herausforderung dar. Mit Michel de Certeaus Theorie der Herstellung von Raum ('espace') durch die kreative Nutzung vorgegebener Orte ('lieus') argumentiert dieser Beitrag, dass in beiden Texten die Figurenhandlungen raumkonstitutiven Charakter haben. Die Texte rufen ein 'Konzept' von London auf, um es auf Handlungsebene mittels räumlicher Praktiken zu transformieren. Sie unterlaufen dadurch eine einfache Opposition von Herkunfts- und Ankunftsraum, indem sie Überlagerungen zwischen beiden Räumen herstellen und so ein verwandeltes London in Szene setzen.

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Item Type:Book Section, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > English Department
Dewey Decimal Classification:820 English & Old English literatures
Language:German
Date:January 2016
Deposited On:30 Jul 2019 09:17
Last Modified:07 Apr 2020 07:21
Publisher:De Gruyter
Series Name:Narratologia
Number:51
ISSN:1612-8427
ISBN:978-3-11-044211-3
OA Status:Green
Publisher DOI:https://doi.org/10.1515/9783110444681-015
Related URLs:https://www.degruyter.com/view/product/460683 (Publisher)
https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=sfx_hbz3710000000579928&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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Language: German
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