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Photographische Phantastik: Nathaniel Hawthornes "The House of the Seven Gables" und die frühe Diskursgeschichte der Daguerreotypie


Frank, Michael C (2006). Photographische Phantastik: Nathaniel Hawthornes "The House of the Seven Gables" und die frühe Diskursgeschichte der Daguerreotypie. Jahrbuch der Friedrich Schlegel-Gesellschaft, 16:97-123.

Abstract

Nach der öffentlichen Bekanntmachung des photographischen Verfahrens im Jahr 1839 entwickelten sich zwei parallele Theoretisierungen des neuen Mediums: Während die Daguerreotypie einerseits metaphorisch zum Inbegriff für detailgetreue Abbildung wurde, begann andererseits eine oft übersehene romantische Tradition der Photorezeption, welche eine deutlich andere Semantik des Photographischen präsentierte. Gegenläufig zur "Gleichsetzung der Photographie mit einer besonders treuen Mimesis des Sichtbaren" (Irene Albers) wurde das neue Abbildungsverfahren hier "mit Konzepten romantischer Phantastik aufgeladen und als Repräsentation des Unwirklichen, Jenseitigen interpretiert" (Renate Lachmann). Für eine Rekonstruktion dieser alternativen Photorezeption, die in der Romantik begann, sich aber durchaus auch in der Literatur des Realismus fortsetzte, ist Nathaniel Hawthornes "The House of the Seven Gables" von 1851 ein besonders aufschlussreiches Beispiel. Hawthornes zweiter Roman stellt eine der ersten literarischen Reaktionen dieses Umfangs auf das neue Medium überhaupt dar. Er zweifelt das mimetische Potential der Photographie nicht an. Die bei Hawthorne erwähnten Daguerreotypien zeichnen sich jedoch gerade durch ihre Abweichung von der gewohnten Wirklichkeitserfahrung aus; in ihnen manifestieren sich Dinge, die das menschliche Auge sonst nicht wahrnehmen kann. Das Potential der Photographie liegt demnach in einer Mimesis des Unsichtbaren – im Zutagebringen und dokumentarischen Festhalten sonst verborgener Tatsachen –, wobei dem Verfahren der Daguerreotypie magische Eigenschaften zugeschrieben werden. In Gestalt des fiktiven Daguerreotypisten Holgrave wird es mit der Praxis des animalischen Magnetismus in Zusammenhang gebracht. Texte wie derjenige Hawthornes legen eine Neulektüre der Photographiedebatte des 19. Jahrhunderts nahe, bei der die photographische Phantastik als lange vernachlässigtes romantisches Gegenmodell zum erst später eindeutig dominierenden Photorealismus stärker gewichtet wird, wie der vorliegende Beitrag aufzeigen möchte.

Abstract

Nach der öffentlichen Bekanntmachung des photographischen Verfahrens im Jahr 1839 entwickelten sich zwei parallele Theoretisierungen des neuen Mediums: Während die Daguerreotypie einerseits metaphorisch zum Inbegriff für detailgetreue Abbildung wurde, begann andererseits eine oft übersehene romantische Tradition der Photorezeption, welche eine deutlich andere Semantik des Photographischen präsentierte. Gegenläufig zur "Gleichsetzung der Photographie mit einer besonders treuen Mimesis des Sichtbaren" (Irene Albers) wurde das neue Abbildungsverfahren hier "mit Konzepten romantischer Phantastik aufgeladen und als Repräsentation des Unwirklichen, Jenseitigen interpretiert" (Renate Lachmann). Für eine Rekonstruktion dieser alternativen Photorezeption, die in der Romantik begann, sich aber durchaus auch in der Literatur des Realismus fortsetzte, ist Nathaniel Hawthornes "The House of the Seven Gables" von 1851 ein besonders aufschlussreiches Beispiel. Hawthornes zweiter Roman stellt eine der ersten literarischen Reaktionen dieses Umfangs auf das neue Medium überhaupt dar. Er zweifelt das mimetische Potential der Photographie nicht an. Die bei Hawthorne erwähnten Daguerreotypien zeichnen sich jedoch gerade durch ihre Abweichung von der gewohnten Wirklichkeitserfahrung aus; in ihnen manifestieren sich Dinge, die das menschliche Auge sonst nicht wahrnehmen kann. Das Potential der Photographie liegt demnach in einer Mimesis des Unsichtbaren – im Zutagebringen und dokumentarischen Festhalten sonst verborgener Tatsachen –, wobei dem Verfahren der Daguerreotypie magische Eigenschaften zugeschrieben werden. In Gestalt des fiktiven Daguerreotypisten Holgrave wird es mit der Praxis des animalischen Magnetismus in Zusammenhang gebracht. Texte wie derjenige Hawthornes legen eine Neulektüre der Photographiedebatte des 19. Jahrhunderts nahe, bei der die photographische Phantastik als lange vernachlässigtes romantisches Gegenmodell zum erst später eindeutig dominierenden Photorealismus stärker gewichtet wird, wie der vorliegende Beitrag aufzeigen möchte.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > English Department
Dewey Decimal Classification:820 English & Old English literatures
Language:German
Date:2006
Deposited On:05 Aug 2019 08:48
Last Modified:07 Apr 2020 07:21
Publisher:Schöningh
ISSN:0940-516X
Additional Information:ISBN 978-3-506-75684-8
OA Status:Green
Publisher DOI:https://doi.org/10.18452/5872
Related URLs:https://www.schoeningh.de/katalog/titel/978-3-506-75684-8.html (Publisher)
https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/142 (Organisation)

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