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Selbstgesteuerte Arbeitszeit, Arbeitsstunden und individuelle Überbeschäftigung


Matta, Vanita Irene. Selbstgesteuerte Arbeitszeit, Arbeitsstunden und individuelle Überbeschäftigung. 2015, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Diese Dissertation beinhaltet die konzeptuelle Weiterentwicklung von Umfragedaten zu erwünschten Arbeitsstunden (Aufsatz 1) und die Bearbeitung einer empirischen Frage (Aufsatz 2 und 3): Führen selbstgesteuerte Arbeitszeiten über eine Ausweitung der Arbeitsstunden zu individueller Überbeschäftigung?
In den letzten Jahrzehnten hat sich eine vielversprechende analytische Perspektive in Soziologie und Wirtschaftswissenschaften etabliert: Man vergleicht Angaben zu tatsächlichen Arbeitsstunden mit Angaben zu erwünschten Arbeitsstunden auf individueller Ebene und aggregiert z.B. auf den Anteil individuell „überbeschäftigter“ Personen in einer interessierenden Personengruppe. Das empirische Potential dieser Perspektive wird allerdings noch nicht voll ausgeschöpft. Dem Feld fehlt ein einheitlicher, konzeptuell ausgereifter und überprüfter Indikator für die erwünschten Arbeitsstunden. Im ersten Aufsatz dieser Dissertation möchte ich die Entwicklung eines solchen Indikators vorantreiben. Erstens entwickle ich die erste allgemeine Konzeption erwünschter Arbeitsstunden für die Umfrageforschung. Forschende können diese allgemeine Konzeption für die Entwicklung vielfältiger Indikatoren innerhalb verschiedenster Forschungsvorhaben verwenden. Zweitens mache ich eine erste explizite Argumentation dazu, was die Forschungsgemeinde bei einem „Mehrzweck-Indikator“ interessieren könnte. Unter einem „Mehrzweck-Indikator“ ist eine Frage zu verstehen, die für verschiedene Forschungsprojekte verwendet werden könnte und die für die grossen Umfrageprogramme der sozialwissenschaftlichen Infrastruktur sowie für die Arbeitsmarktstatistik gebraucht wird.
Selbstgesteuerte Arbeitszeit (z.B. Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit) ist inzwischen branchenübergreifend verbreitet. Umfassende Betriebsfallstudien zeigen, dass dabei unter bestimmten organisationalen Bedingungen eine Ausweitung der Arbeitsstunden stattfindet. Auch die bisher einzige Auswertung einer repräsentativen Umfrage in Deutschland ergab, dass mit selbstgesteuerter Arbeitszeit durchschnittlich länger gearbeitet wird. In der vorliegenden Dissertation werden zu dieser Frage drei weitere repräsentative Umfragen ausgewertet (European Social Survey 2010 (ESS), European Working Conditions Survey 2010 (EWCS), Sozio-oekonomisches Panel 2003, 2005, 2007, 2009, 2011 (SOEP)). Im zweiten Aufsatz werden die Querschnittsdaten des ESS und des EWCS ausgewertet. Die Ergebnisse sprechen bei Männern sehr deutlich für eine Ausweitung der Arbeitsstunden. Bei Frauen werden nur für Vollzeitarbeitnehmerinnen relevante Durchschnittsunterschiede festgestellt. Eine alternative Erklärung für diesen Befund wäre eine systematische Selektion in selbstgesteuerte Arbeitszeiten entlang einer persönlichen Tendenz zu Mehrarbeit. In der dritten Studie werden mit dem SOEP zum ersten Mal deutsche Längsschnittdaten herangezogen, die es gestatten, diese alternative Erklärung in eine empirische Untersuchung einzubeziehen. Auch bei statistischer Kontrolle der Führungsverantwortung sprechen die Ergebnisse für eine Arbeitsextensivierung bei unregulierter Selbststeuerung und (unter einigen methodischen Vorbehalten) gegen eine Arbeitsextensivierung bei regulierter Selbststeuerung.

Abstract

Diese Dissertation beinhaltet die konzeptuelle Weiterentwicklung von Umfragedaten zu erwünschten Arbeitsstunden (Aufsatz 1) und die Bearbeitung einer empirischen Frage (Aufsatz 2 und 3): Führen selbstgesteuerte Arbeitszeiten über eine Ausweitung der Arbeitsstunden zu individueller Überbeschäftigung?
In den letzten Jahrzehnten hat sich eine vielversprechende analytische Perspektive in Soziologie und Wirtschaftswissenschaften etabliert: Man vergleicht Angaben zu tatsächlichen Arbeitsstunden mit Angaben zu erwünschten Arbeitsstunden auf individueller Ebene und aggregiert z.B. auf den Anteil individuell „überbeschäftigter“ Personen in einer interessierenden Personengruppe. Das empirische Potential dieser Perspektive wird allerdings noch nicht voll ausgeschöpft. Dem Feld fehlt ein einheitlicher, konzeptuell ausgereifter und überprüfter Indikator für die erwünschten Arbeitsstunden. Im ersten Aufsatz dieser Dissertation möchte ich die Entwicklung eines solchen Indikators vorantreiben. Erstens entwickle ich die erste allgemeine Konzeption erwünschter Arbeitsstunden für die Umfrageforschung. Forschende können diese allgemeine Konzeption für die Entwicklung vielfältiger Indikatoren innerhalb verschiedenster Forschungsvorhaben verwenden. Zweitens mache ich eine erste explizite Argumentation dazu, was die Forschungsgemeinde bei einem „Mehrzweck-Indikator“ interessieren könnte. Unter einem „Mehrzweck-Indikator“ ist eine Frage zu verstehen, die für verschiedene Forschungsprojekte verwendet werden könnte und die für die grossen Umfrageprogramme der sozialwissenschaftlichen Infrastruktur sowie für die Arbeitsmarktstatistik gebraucht wird.
Selbstgesteuerte Arbeitszeit (z.B. Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit) ist inzwischen branchenübergreifend verbreitet. Umfassende Betriebsfallstudien zeigen, dass dabei unter bestimmten organisationalen Bedingungen eine Ausweitung der Arbeitsstunden stattfindet. Auch die bisher einzige Auswertung einer repräsentativen Umfrage in Deutschland ergab, dass mit selbstgesteuerter Arbeitszeit durchschnittlich länger gearbeitet wird. In der vorliegenden Dissertation werden zu dieser Frage drei weitere repräsentative Umfragen ausgewertet (European Social Survey 2010 (ESS), European Working Conditions Survey 2010 (EWCS), Sozio-oekonomisches Panel 2003, 2005, 2007, 2009, 2011 (SOEP)). Im zweiten Aufsatz werden die Querschnittsdaten des ESS und des EWCS ausgewertet. Die Ergebnisse sprechen bei Männern sehr deutlich für eine Ausweitung der Arbeitsstunden. Bei Frauen werden nur für Vollzeitarbeitnehmerinnen relevante Durchschnittsunterschiede festgestellt. Eine alternative Erklärung für diesen Befund wäre eine systematische Selektion in selbstgesteuerte Arbeitszeiten entlang einer persönlichen Tendenz zu Mehrarbeit. In der dritten Studie werden mit dem SOEP zum ersten Mal deutsche Längsschnittdaten herangezogen, die es gestatten, diese alternative Erklärung in eine empirische Untersuchung einzubeziehen. Auch bei statistischer Kontrolle der Führungsverantwortung sprechen die Ergebnisse für eine Arbeitsextensivierung bei unregulierter Selbststeuerung und (unter einigen methodischen Vorbehalten) gegen eine Arbeitsextensivierung bei regulierter Selbststeuerung.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Davidov Eldad
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Sociology
Dewey Decimal Classification:300 Social sciences, sociology & anthropology
Language:German
Date:2015
Deposited On:14 Aug 2019 08:23
Last Modified:15 Aug 2019 00:58
Number of Pages:141
OA Status:Green
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod010635976&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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Language: German
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