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Komplexität, Komplizität und moralischer Stress in der Pflege


Monteverde, Settimio (2019). Komplexität, Komplizität und moralischer Stress in der Pflege. Ethik in der Medizin, 31(4):345-360.

Abstract

Professionelles Handeln bedarf moralischen Handlungsvermögens. Im Kontext pflegerischer Weiterbildungen beschreibt der Philosoph Andrew Jameton vor über drei Jahrzehnten psychologische Reaktionen auf kompromittiertes moralisches Handlungsvermögen, die er als moralischen Stress definiert. Diese Standarddefinition hat in der Pflegewissenschaft zu einer dichten Forschung geführt und zum Vorschlag einer weiten Definition. Belegt sind gravierende Folgen von moralischem Stress auf die Patientensicherheit und auf die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden. Der Beitrag diskutiert die Rezeption des Konzepts innerhalb der Pflegewissenschaft und die jüngst vorgeschlagene weite Definition von moralischem Stress als Reaktion auf Situationen wahrgenommener moralischer Unerwünschtheit. Er bezweifelt die Kongruenz der Definitionen. Gerade das Verständnis der Prävalenz von moralischem Stress in der Pflegepraxis wird durch die Ausweitung der Definition erschwert, welche den Messinstrumenten jeweils zugrunde liegt. Trotz dieser Unschärfe bleibt der Umgang mit moralischem Stress eine zentrale Herausforderung für alle Gesundheitsfachpersonen. Für die wirksame Bewältigung bedarf er aber einer Schärfung, die die Kernanliegen sowohl der „alten“ wie auch der „neuen“ Definition aufnimmt: Wahrgenommene moralische Unerwünschtheit wird als Gesamtheit an emotionalen Reaktionen auf ethisch belastende Situationen vorgeschlagen, der bei kompromittiertem moralischen Handlungsvermögen moralischer Stress folgen kann, bei erschwertem moralischen Handlungsvermögen hingegen moralisches Unbehagen. In normativer Hinsicht steht moralischer Stress für Reaktionen auf Situationen moralischer Komplizität, moralisches Unbehagen für solche auf moralischer Komplexität. Durch diese Schärfung wird moralischer Stress hinreichend klar bestimmbar und die Standarddefinition im Kern bestätigt. Aber auch das Anliegen der weiten Definition wird aufgenommen für das breite Spektrum ethischer Belastungen, die den Alltag von Gesundheitsfachpersonen prägen und spezifische Strategien zu deren Bewältigung erfordern.

Abstract

Professionelles Handeln bedarf moralischen Handlungsvermögens. Im Kontext pflegerischer Weiterbildungen beschreibt der Philosoph Andrew Jameton vor über drei Jahrzehnten psychologische Reaktionen auf kompromittiertes moralisches Handlungsvermögen, die er als moralischen Stress definiert. Diese Standarddefinition hat in der Pflegewissenschaft zu einer dichten Forschung geführt und zum Vorschlag einer weiten Definition. Belegt sind gravierende Folgen von moralischem Stress auf die Patientensicherheit und auf die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden. Der Beitrag diskutiert die Rezeption des Konzepts innerhalb der Pflegewissenschaft und die jüngst vorgeschlagene weite Definition von moralischem Stress als Reaktion auf Situationen wahrgenommener moralischer Unerwünschtheit. Er bezweifelt die Kongruenz der Definitionen. Gerade das Verständnis der Prävalenz von moralischem Stress in der Pflegepraxis wird durch die Ausweitung der Definition erschwert, welche den Messinstrumenten jeweils zugrunde liegt. Trotz dieser Unschärfe bleibt der Umgang mit moralischem Stress eine zentrale Herausforderung für alle Gesundheitsfachpersonen. Für die wirksame Bewältigung bedarf er aber einer Schärfung, die die Kernanliegen sowohl der „alten“ wie auch der „neuen“ Definition aufnimmt: Wahrgenommene moralische Unerwünschtheit wird als Gesamtheit an emotionalen Reaktionen auf ethisch belastende Situationen vorgeschlagen, der bei kompromittiertem moralischen Handlungsvermögen moralischer Stress folgen kann, bei erschwertem moralischen Handlungsvermögen hingegen moralisches Unbehagen. In normativer Hinsicht steht moralischer Stress für Reaktionen auf Situationen moralischer Komplizität, moralisches Unbehagen für solche auf moralischer Komplexität. Durch diese Schärfung wird moralischer Stress hinreichend klar bestimmbar und die Standarddefinition im Kern bestätigt. Aber auch das Anliegen der weiten Definition wird aufgenommen für das breite Spektrum ethischer Belastungen, die den Alltag von Gesundheitsfachpersonen prägen und spezifische Strategien zu deren Bewältigung erfordern.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Institute of Biomedical Ethics and History of Medicine
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Scopus Subject Areas:Health Sciences > Issues, Ethics and Legal Aspects
Social Sciences & Humanities > Health (social science)
Social Sciences & Humanities > Philosophy
Health Sciences > Health Policy
Uncontrolled Keywords:Philosophy, Health Policy, Issues, ethics and legal aspects, Health(social science)
Language:German
Date:1 December 2019
Deposited On:27 Nov 2019 15:24
Last Modified:29 Jul 2020 11:51
Publisher:Springer
ISSN:0935-7335
OA Status:Closed
Publisher DOI:https://doi.org/10.1007/s00481-019-00548-z

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