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Informations- und Kommunikationsverhalten in der Corona-Krise: Befunde aus der Deutschschweiz zu Relevanz, Funktionen und Bewertung verschiedener Information- und Kommunikationsformen während der ersten Tage des Lockdowns


Friemel, Thomas N; Geber, Sarah; Egli, Sonja (2020). Informations- und Kommunikationsverhalten in der Corona-Krise: Befunde aus der Deutschschweiz zu Relevanz, Funktionen und Bewertung verschiedener Information- und Kommunikationsformen während der ersten Tage des Lockdowns. Zürich: Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ).

Abstract

Die Corona-Krise stellt eine Ausnahmesituation dar, in der etablierte Routinen und Muster des Informations- und Kommunikationsverhaltens unterbrochen oder in Frage gestellt werden. Dies trifft insbesondere auf die erste Phase des sogenannten Lockdowns zu. Die vorliegende Studie untersucht das Informations- und Kommunikationsverhalten der Schweizer Bevölkerung während der ersten Phase der Corona-Krise. Vom 19. bis 24. März wurden 1'005 Personen (Rekrutierung durch GfK) mittels einer Online-Befragung nach ihrer Bewertung verschiedener Informations- und Kommunikationsformen (redaktionelle Medien, interpersonale Kommunikation, Soziale Medien) befragt. Die Stichprobe wurde nach Alter und Geschlecht (gekreuzt) quotiert und kann für die Deutschschweizer Bevölkerung ab 15 Jahren mit Internetzugang als repräsentativ betrachtet werden. Die wichtigsten Befunde bzgl. des Informations- und Kommunikationsverhaltens in der Corona-Krise sind: (1) Relevanz: Die Deutschschweizer*innen schreiben den Informationsangeboten des Bundes und den Sendern des Schweizer Fernsehens in der Corona-Krise eine besonders grosse Relevanz zu. Eine bedeutende Rolle spielt auch die interpersonale Kommunikation über verschiedene Kanäle (face-to-face, SMS/Instant Messenger, Telefonie/Videotelefonie). Als wenig relevant werden die Sozialen Medien, wie Twitter, Facebook und Instagram, bewertet. Klassische Nachrichtenmedien spielen für ältere Personen eine höhere Rolle als für Jüngere, bei den Sozialen Medien ist das umgekehrt. Abgesehen von diesen Unterschieden sind die Informationen des Bundes und die Sender des Schweizer Fernsehens auch für die Jüngeren die wichtigsten Informationsquellen. (2) Funktionen: Die redaktionellen Medienangebote erfüllen die Funktionen der Information und der inhaltlichen Einordnung am besten und helfen am stärksten, emotional mit den Unsicherheiten umzugehen, die mit der Corona-Krise einhergehen. Im Vergleich zu den beiden älteren Altersgruppen (30-59 Jahre, 60-88 Jahre) nehmen die Jüngeren (16-29 Jahre) über alle Kommunikationsformen hinweg am ehesten Dysfunktionen in der Informationsleistung und der Unterstützung bei der kognitiven und affektiven Verarbeitung der Corona-Krise wahr. (3) Umfang & Ton: Eine Mehrheit der Deutschschweizer*innen findet, dass die Corona-Krise zu viel thematisiert wird (und das bereits zu Beginn des Lockdowns). Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung bei den Jüngeren. Die Tonalität der redaktionellen Medienangebote wird mit zunehmendem Alter eher als angemessen beurteilt. Besonders kritisch äussert sich die älteste Gruppe hingegen bzgl. der Thematisierung in den sozialen Medien, welche von einem Fünftel als verharmlosend wahrgenommen wird. (4) Informiertheit: Die Deutschschweizer Bevölkerung fühlt sich zu Beginn des Lockdowns gut bis sehr gut zur Corona-Krise und zur Bedeutung der Corona-Krise für sie und ihren Alltag informiert. (5) Vertrauen: Das Vertrauen der Deutschschweizer Bevölkerung in die öffentlichen Institutionen der Schweiz ist sehr gross. Dies umfasst sowohl das Gesundheitswesen und das BAG als auch die Exekutive (Bundesrat) sowie die öffentlichen Radio- und TV-Sender. Dieses Systemvertrauen nimmt mit zunehmendem Alter leicht zu. Die Befunde zeigen, dass die Schweiz über eine gut funktionierende kommunikative Infrastruktur verfügt, um die breite Bevölkerung in einer Krisensituation zu erreichen und über die wichtigsten Massnahmen zu informieren. Zudem wird ersichtlich, dass die zuständigen Institutionen des Bundes und die öffentlichen Medienangebote ein grosses Vertrauen in der Bevölkerung geniessen. Umso wichtiger ist es, dass der kritische Diskurs über staatliche Massnahmen und die Rolle der Medien, der aufgrund des akuten Handlungsbedarfs in der nationalen Krise nicht vollumfänglich stattfinden konnte, nachgeholt wird, um das Vertrauen der Bevölkerung zu rechtfertigen und den Handlungsspielraum für zukünftige Krisen zu legitimieren.

Abstract

Die Corona-Krise stellt eine Ausnahmesituation dar, in der etablierte Routinen und Muster des Informations- und Kommunikationsverhaltens unterbrochen oder in Frage gestellt werden. Dies trifft insbesondere auf die erste Phase des sogenannten Lockdowns zu. Die vorliegende Studie untersucht das Informations- und Kommunikationsverhalten der Schweizer Bevölkerung während der ersten Phase der Corona-Krise. Vom 19. bis 24. März wurden 1'005 Personen (Rekrutierung durch GfK) mittels einer Online-Befragung nach ihrer Bewertung verschiedener Informations- und Kommunikationsformen (redaktionelle Medien, interpersonale Kommunikation, Soziale Medien) befragt. Die Stichprobe wurde nach Alter und Geschlecht (gekreuzt) quotiert und kann für die Deutschschweizer Bevölkerung ab 15 Jahren mit Internetzugang als repräsentativ betrachtet werden. Die wichtigsten Befunde bzgl. des Informations- und Kommunikationsverhaltens in der Corona-Krise sind: (1) Relevanz: Die Deutschschweizer*innen schreiben den Informationsangeboten des Bundes und den Sendern des Schweizer Fernsehens in der Corona-Krise eine besonders grosse Relevanz zu. Eine bedeutende Rolle spielt auch die interpersonale Kommunikation über verschiedene Kanäle (face-to-face, SMS/Instant Messenger, Telefonie/Videotelefonie). Als wenig relevant werden die Sozialen Medien, wie Twitter, Facebook und Instagram, bewertet. Klassische Nachrichtenmedien spielen für ältere Personen eine höhere Rolle als für Jüngere, bei den Sozialen Medien ist das umgekehrt. Abgesehen von diesen Unterschieden sind die Informationen des Bundes und die Sender des Schweizer Fernsehens auch für die Jüngeren die wichtigsten Informationsquellen. (2) Funktionen: Die redaktionellen Medienangebote erfüllen die Funktionen der Information und der inhaltlichen Einordnung am besten und helfen am stärksten, emotional mit den Unsicherheiten umzugehen, die mit der Corona-Krise einhergehen. Im Vergleich zu den beiden älteren Altersgruppen (30-59 Jahre, 60-88 Jahre) nehmen die Jüngeren (16-29 Jahre) über alle Kommunikationsformen hinweg am ehesten Dysfunktionen in der Informationsleistung und der Unterstützung bei der kognitiven und affektiven Verarbeitung der Corona-Krise wahr. (3) Umfang & Ton: Eine Mehrheit der Deutschschweizer*innen findet, dass die Corona-Krise zu viel thematisiert wird (und das bereits zu Beginn des Lockdowns). Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung bei den Jüngeren. Die Tonalität der redaktionellen Medienangebote wird mit zunehmendem Alter eher als angemessen beurteilt. Besonders kritisch äussert sich die älteste Gruppe hingegen bzgl. der Thematisierung in den sozialen Medien, welche von einem Fünftel als verharmlosend wahrgenommen wird. (4) Informiertheit: Die Deutschschweizer Bevölkerung fühlt sich zu Beginn des Lockdowns gut bis sehr gut zur Corona-Krise und zur Bedeutung der Corona-Krise für sie und ihren Alltag informiert. (5) Vertrauen: Das Vertrauen der Deutschschweizer Bevölkerung in die öffentlichen Institutionen der Schweiz ist sehr gross. Dies umfasst sowohl das Gesundheitswesen und das BAG als auch die Exekutive (Bundesrat) sowie die öffentlichen Radio- und TV-Sender. Dieses Systemvertrauen nimmt mit zunehmendem Alter leicht zu. Die Befunde zeigen, dass die Schweiz über eine gut funktionierende kommunikative Infrastruktur verfügt, um die breite Bevölkerung in einer Krisensituation zu erreichen und über die wichtigsten Massnahmen zu informieren. Zudem wird ersichtlich, dass die zuständigen Institutionen des Bundes und die öffentlichen Medienangebote ein grosses Vertrauen in der Bevölkerung geniessen. Umso wichtiger ist es, dass der kritische Diskurs über staatliche Massnahmen und die Rolle der Medien, der aufgrund des akuten Handlungsbedarfs in der nationalen Krise nicht vollumfänglich stattfinden konnte, nachgeholt wird, um das Vertrauen der Bevölkerung zu rechtfertigen und den Handlungsspielraum für zukünftige Krisen zu legitimieren.

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Item Type:Published Research Report
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Department of Communication and Media Research
Dewey Decimal Classification:700 Arts
Uncontrolled Keywords:Covid-19, Corona, Mediennutzung, Informationsverhalten, Vertrauen
Language:German
Date:30 May 2020
Deposited On:08 Jul 2020 08:54
Last Modified:08 Jul 2020 08:54
Publisher:Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ)
Number of Pages:25
OA Status:Green
Free access at:Related URL. An embargo period may apply.
Official URL:https://www.uzh.ch/cmsssl/ikmz/dam/jcr:be3e4c82-2e50-4ada-b116-313cc6b4cd84/CoVID-19_Mediennutzung.pdf
Related URLs:http://www.friemel.com/docs/CoVID-19_Mediennutzung_20200530.pdf (Author)
Project Information:
  • : FunderBundesamt für Kommunikation (Bakom)
  • : Grant ID
  • : Project Title

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