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Die Rolle von Psychopathologie und Nosologie in der ‚Precision‘-Psychiatrie


Schultze-Lutter, Frauke; Theodoridou, Anastasia (2020). Die Rolle von Psychopathologie und Nosologie in der ‚Precision‘-Psychiatrie. Fortschritte der Neurologie-Psychiatrie, 88(12):773-777.

Abstract

Psychopathologie, die wissenschaftliche Erfassung krankhaft veränderten bzw. gestörten Erlebens und Verhaltens, hat für mehr als ein Jahrhundert eine Gestalt für psychiatrische Störungsbilder und damit die Grundlage der psychiatrischen Nosologie gebildet. So schuf sie die Basis für den klinischen und wissenschaftlichen Fortschritt in der modernen Psychiatrie, verlor jedoch in der Folge des technischen Fortschritts zunehmend gegenüber neurobiologischer Forschung an Bedeutung. Obwohl die präzise, qualifizierte psychopathologische Erhebung die Kernkompetenz der Kliniker darstellte, schenken heutige Kurrikula ihrem Training zunehmend weniger Beachtung. Da aber neurobiologische Verfahren ihre diagnostische Überlegenheit noch unter Beweis zu stellen haben, basieren psychiatrische Diagnosen im DSM-5 und ICD-11 weiterhin ausschließlich auf psychopathologischen Definitionen. Jedoch wird deren kategoriale Nosologie durch Fortschritte in der computerisierten Psychiatrie und der zunehmend empfohlenen ‚Precision‘-Psychiatrie infrage gestellt. Die vorliegende Übersichtsarbeit betrachtet die Rollen von Psychopathologie und Nosologie und die aktuelle Debatte um ihre zukünftigen Rollen in einer ‚Precision‘-Psychiatrie – von der Unterstützung neurobiologischer Forschung durch die Zuordnung neurobiologischer Abweichungen zu subjektiven Erlebnisweisen bis zum Zur-Verfügung-Stellen eines Rahmens für die psychiatrische Begegnung. Sie schlussfolgert, dass die heutige Psychiatrie nicht weniger, sondern eine umfassendere, differenziertere Psychopathologie sowie eine erneuerte, am ehesten dimensional ausgelegte Nosologie benötigt, um die Erlebnisweisen der Patienten und professionelles Wissen angemessen zu integrieren.

Abstract

Psychopathologie, die wissenschaftliche Erfassung krankhaft veränderten bzw. gestörten Erlebens und Verhaltens, hat für mehr als ein Jahrhundert eine Gestalt für psychiatrische Störungsbilder und damit die Grundlage der psychiatrischen Nosologie gebildet. So schuf sie die Basis für den klinischen und wissenschaftlichen Fortschritt in der modernen Psychiatrie, verlor jedoch in der Folge des technischen Fortschritts zunehmend gegenüber neurobiologischer Forschung an Bedeutung. Obwohl die präzise, qualifizierte psychopathologische Erhebung die Kernkompetenz der Kliniker darstellte, schenken heutige Kurrikula ihrem Training zunehmend weniger Beachtung. Da aber neurobiologische Verfahren ihre diagnostische Überlegenheit noch unter Beweis zu stellen haben, basieren psychiatrische Diagnosen im DSM-5 und ICD-11 weiterhin ausschließlich auf psychopathologischen Definitionen. Jedoch wird deren kategoriale Nosologie durch Fortschritte in der computerisierten Psychiatrie und der zunehmend empfohlenen ‚Precision‘-Psychiatrie infrage gestellt. Die vorliegende Übersichtsarbeit betrachtet die Rollen von Psychopathologie und Nosologie und die aktuelle Debatte um ihre zukünftigen Rollen in einer ‚Precision‘-Psychiatrie – von der Unterstützung neurobiologischer Forschung durch die Zuordnung neurobiologischer Abweichungen zu subjektiven Erlebnisweisen bis zum Zur-Verfügung-Stellen eines Rahmens für die psychiatrische Begegnung. Sie schlussfolgert, dass die heutige Psychiatrie nicht weniger, sondern eine umfassendere, differenziertere Psychopathologie sowie eine erneuerte, am ehesten dimensional ausgelegte Nosologie benötigt, um die Erlebnisweisen der Patienten und professionelles Wissen angemessen zu integrieren.

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Other titles:The role of psychopathology and nosology in 'precision' psychiatry
Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Psychiatric University Hospital Zurich > Clinic for Psychiatry, Psychotherapy, and Psychosomatics
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Scopus Subject Areas:Life Sciences > Neurology
Health Sciences > Neurology (clinical)
Health Sciences > Psychiatry and Mental Health
Uncontrolled Keywords:Neurology, Psychiatry and Mental health, Clinical Neurology
Language:German
Date:1 November 2020
Deposited On:28 Oct 2020 17:11
Last Modified:12 Dec 2020 02:34
Publisher:Georg Thieme Verlag
ISSN:0720-4299
OA Status:Closed
Publisher DOI:https://doi.org/10.1055/a-1183-4300
PubMed ID:32575134

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