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Cannabidiol im Kontext erstmaliger verkehrsmedizinischer Fahreignungsabklärungen in der Schweiz


Goldberg, Elijah; Lakämper, Stefan (2020). Cannabidiol im Kontext erstmaliger verkehrsmedizinischer Fahreignungsabklärungen in der Schweiz. Rechtsmedizin, 30(5):305-310.

Abstract

Einleitung: Cannabidiol (CBD) ist neben Tetrahydrocannabinol (THC) ein bedeutender Bestandteil der Cannabis-Pflanze (C. sativa und C. indica). Dem CBD selbst wird keine bedeutsame psychoaktive Wirkung zugeschrieben und es wird nicht zu den Betäubungsmitteln gezählt; klinisch sind aber sedierende/entspannende Effekte bestätigt. Seit dem Jahr 2014 sind in der Schweiz CBD-haltige Tabakersatzprodukte mit einem THC-Gehalt <1 % frei verkäuflich.
Fragestellung: Es ist unklar, ob und bei welchen Konzentrationen CBD einen Einfluss auf die Fahrfähigkeit (FF) und Fahreignung (FE) hat. Bei Konsum von Tabakersatzprodukten mit einem THC-Gehalt <1 % kann der Blutgrenzwert für THC (in der Schweiz: 1,5 µg/l) überschritten werden, was automatisch zu gesetzlicher Fahrunfähigkeit führt. In der vorliegenden Studie wurde der Stellenwert von CBD bei erstmaligen verkehrsmedizinischen Fahreignungsabklärungen von Cannabiskonsumenten untersucht.
Methode: Retrospektive stichwortbasierte Recherche und Analyse der Datenbank der Abteilung Verkehrsmedizin des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Deskriptive statistische Analyse. Einschlusskriterien: abgeschlossene verkehrsmedizinische Gutachten im Administrativverfahren aufgrund von erstmaligem Fahren unter Cannabiseinfluss (Fahren unter Drogeneinfluss, FuD). Ausschluss von Konsum sonstiger Betäubungsmittel. Untersuchungszeitpunkt zwischen 01.01.2016 und 31.12.2019. Analyse nach Alter, Geschlecht und Beurteilungsentscheid.
Resultat: Im untersuchten Zeitraum insgesamt 62.997 Fälle, davon 1082 Erst-FuD unter Cannabinoiden. Keine Fälle vor 01.01.2016, jedoch dann stetige Zunahme, bis 15,17 % aller Cannabis-Begutachtungen im Jahr 2019. (Bei‑)Konsum von CBD: 62 Fälle (5,7 %). Die meisten CBD-Konsumenten sind männlich (91,9 %). Unterschiedliche Altersverteilung zwischen CBD und THC-Konsumenten mit auffälliger Häufung bei 30- bis 40-jährigen Exploranden. Kaum Unterschiede in der Beurteilung der Fahreignung.
Schlussfolgerung: Cannabidiol spielt in dieser Untersuchung zwar eine untergeordnete, jedoch zunehmende Rolle bei der Begutachtung erstmaligen Fahrens unter Cannabiseinfluss. Ein Einfluss von CBD auf die FF ist daraus somit nicht ableitbar und ergibt sich auch nicht aus anderen publizierten Untersuchungen. Aus Sicht der Autoren bedarf es klinisch-prospektiver Forschungsprojekte zur Klärung der Wirkung von CBD unter Berücksichtigung von subjektiver Fahrfähigkeitswahrnehmung und Fahrleistungsdefiziten.

Abstract

Einleitung: Cannabidiol (CBD) ist neben Tetrahydrocannabinol (THC) ein bedeutender Bestandteil der Cannabis-Pflanze (C. sativa und C. indica). Dem CBD selbst wird keine bedeutsame psychoaktive Wirkung zugeschrieben und es wird nicht zu den Betäubungsmitteln gezählt; klinisch sind aber sedierende/entspannende Effekte bestätigt. Seit dem Jahr 2014 sind in der Schweiz CBD-haltige Tabakersatzprodukte mit einem THC-Gehalt <1 % frei verkäuflich.
Fragestellung: Es ist unklar, ob und bei welchen Konzentrationen CBD einen Einfluss auf die Fahrfähigkeit (FF) und Fahreignung (FE) hat. Bei Konsum von Tabakersatzprodukten mit einem THC-Gehalt <1 % kann der Blutgrenzwert für THC (in der Schweiz: 1,5 µg/l) überschritten werden, was automatisch zu gesetzlicher Fahrunfähigkeit führt. In der vorliegenden Studie wurde der Stellenwert von CBD bei erstmaligen verkehrsmedizinischen Fahreignungsabklärungen von Cannabiskonsumenten untersucht.
Methode: Retrospektive stichwortbasierte Recherche und Analyse der Datenbank der Abteilung Verkehrsmedizin des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Deskriptive statistische Analyse. Einschlusskriterien: abgeschlossene verkehrsmedizinische Gutachten im Administrativverfahren aufgrund von erstmaligem Fahren unter Cannabiseinfluss (Fahren unter Drogeneinfluss, FuD). Ausschluss von Konsum sonstiger Betäubungsmittel. Untersuchungszeitpunkt zwischen 01.01.2016 und 31.12.2019. Analyse nach Alter, Geschlecht und Beurteilungsentscheid.
Resultat: Im untersuchten Zeitraum insgesamt 62.997 Fälle, davon 1082 Erst-FuD unter Cannabinoiden. Keine Fälle vor 01.01.2016, jedoch dann stetige Zunahme, bis 15,17 % aller Cannabis-Begutachtungen im Jahr 2019. (Bei‑)Konsum von CBD: 62 Fälle (5,7 %). Die meisten CBD-Konsumenten sind männlich (91,9 %). Unterschiedliche Altersverteilung zwischen CBD und THC-Konsumenten mit auffälliger Häufung bei 30- bis 40-jährigen Exploranden. Kaum Unterschiede in der Beurteilung der Fahreignung.
Schlussfolgerung: Cannabidiol spielt in dieser Untersuchung zwar eine untergeordnete, jedoch zunehmende Rolle bei der Begutachtung erstmaligen Fahrens unter Cannabiseinfluss. Ein Einfluss von CBD auf die FF ist daraus somit nicht ableitbar und ergibt sich auch nicht aus anderen publizierten Untersuchungen. Aus Sicht der Autoren bedarf es klinisch-prospektiver Forschungsprojekte zur Klärung der Wirkung von CBD unter Berücksichtigung von subjektiver Fahrfähigkeitswahrnehmung und Fahrleistungsdefiziten.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Institute of Legal Medicine
Dewey Decimal Classification:340 Law
610 Medicine & health
510 Mathematics
Scopus Subject Areas:Health Sciences > Pathology and Forensic Medicine
Uncontrolled Keywords:Pathology and Forensic Medicine
Language:German
Date:1 October 2020
Deposited On:22 Dec 2020 10:17
Last Modified:23 Dec 2020 21:00
Publisher:Springer
ISSN:1434-5196
OA Status:Hybrid
Publisher DOI:https://doi.org/10.1007/s00194-020-00419-8

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