Header

UZH-Logo

Maintenance Infos

Social Media und der Iconic Turn: diagrammatische Ordnungen im Web 2.0


Bubenhofer, Noah (2019). Social Media und der Iconic Turn: diagrammatische Ordnungen im Web 2.0. Diskurse - Digital, 1(2):114-135.

Abstract

Die beiden zentralen Forderungen des Iconic Turns sind, 1) das Bildhafte an kulturellem Handeln anzuerkennen, aber auch 2) Bilder als Analyseinstrument von Kultur zu nutzen. Es geht um eine Rehabilitierung des Visuellen in seiner weitesten Bedeutung, verbunden mit der Erkenntnis, dass Bilder maßgeblich kulturelles Handeln prägen. Als Korpuslinguist ist man immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, mit der Analyse von Textkorpora ebendiese Visualität sträflich zu vernachläßigen. Wenn man beispielsweise Diskurse in Sozialen Medien wie Twitter, Facebook, Instagram u.ä. untersucht, sind diese ohne Zweifel von einer reichen Praxis der Bildbenutzung, Bildzitation etc. durchdrungen. Das stellt korpus- und computerlinguistische Untersuchungen von Social-Media-Daten, wie z.B. sog. Sentiment-Analysen, die große Mengen von Twitter-Tweets auf ihre Tonalität hin untersuchen, vor Probleme. Denn, um nur ein Minimalbeispiel zu geben, kann ein Text begleitendes Bild die Tonalität eines Tweets grundsätzlich ändern. Gar nicht erfasst werden zudem textlose, nur aus einem Bild bestehende Tweets, die genauso als Zeichen eine Tonalität entfalten können.
Weniger quantitativ ausgerichtete linguistische Analysen berücksichtigen jedoch die Bildlichkeit solcher Daten weit stärker, wie verschiedene multimodale Analysen zeigen (Frank-Job u. a., 2013; Seizov/Wildfeuer, 2017; Zappavigna, 2018; grundsätzlich: Page u. a., 2014, S. 16). Sie können beispielsweise verdeutlichen, wie Tweets als multimodale Zeichen, die zitiert, rekontextualisiert und modifiziert werden, diskursive Kräfte entfalten.
Mit den folgenden Überlegungen möchte ich aber einen nochmals anders gelagerten Aspekt von Bildlichkeit in sozialen Medien thematisieren: Dabei geht es nicht um Bilder im Sinne von Fotos, Zeichnungen, Filmen etc. als Bestandteile von Posts, sondern um diagrammatische Bildlichkeit, die die Darstellungen und Ordnungen von Texten, Postings und allen anderen Zeichen in sozialen Medien organisieren. Diese diagrammatische Bildlichkeit geht zurück auf diagrammatische Grundfiguren wie Listen, Netze, Karten oder Partituren. So erscheinen Tweets in einer „Timeline“ als geordnete Liste, die jedoch z.B. über die Auswahl eines Hashtags anders geordnet wird.
Der springende Punkt bei den Überlegungen ist dabei, dass die Analysen von Sozialen Medien wiederum selber diagrammatische Operationen vornehmen und so neue Ordnungen rekonstruieren. Verfolgt man ein diskursanalytisches Interesse bei der Analyse solcher Daten, ist das Zusammenspiel von „präanalytischen“ und analytischen diagrammatischen Operationen ein nicht zu trennendes Ensemble der gemeinsamen Rekonstruktion von Diskursen.

Abstract

Die beiden zentralen Forderungen des Iconic Turns sind, 1) das Bildhafte an kulturellem Handeln anzuerkennen, aber auch 2) Bilder als Analyseinstrument von Kultur zu nutzen. Es geht um eine Rehabilitierung des Visuellen in seiner weitesten Bedeutung, verbunden mit der Erkenntnis, dass Bilder maßgeblich kulturelles Handeln prägen. Als Korpuslinguist ist man immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, mit der Analyse von Textkorpora ebendiese Visualität sträflich zu vernachläßigen. Wenn man beispielsweise Diskurse in Sozialen Medien wie Twitter, Facebook, Instagram u.ä. untersucht, sind diese ohne Zweifel von einer reichen Praxis der Bildbenutzung, Bildzitation etc. durchdrungen. Das stellt korpus- und computerlinguistische Untersuchungen von Social-Media-Daten, wie z.B. sog. Sentiment-Analysen, die große Mengen von Twitter-Tweets auf ihre Tonalität hin untersuchen, vor Probleme. Denn, um nur ein Minimalbeispiel zu geben, kann ein Text begleitendes Bild die Tonalität eines Tweets grundsätzlich ändern. Gar nicht erfasst werden zudem textlose, nur aus einem Bild bestehende Tweets, die genauso als Zeichen eine Tonalität entfalten können.
Weniger quantitativ ausgerichtete linguistische Analysen berücksichtigen jedoch die Bildlichkeit solcher Daten weit stärker, wie verschiedene multimodale Analysen zeigen (Frank-Job u. a., 2013; Seizov/Wildfeuer, 2017; Zappavigna, 2018; grundsätzlich: Page u. a., 2014, S. 16). Sie können beispielsweise verdeutlichen, wie Tweets als multimodale Zeichen, die zitiert, rekontextualisiert und modifiziert werden, diskursive Kräfte entfalten.
Mit den folgenden Überlegungen möchte ich aber einen nochmals anders gelagerten Aspekt von Bildlichkeit in sozialen Medien thematisieren: Dabei geht es nicht um Bilder im Sinne von Fotos, Zeichnungen, Filmen etc. als Bestandteile von Posts, sondern um diagrammatische Bildlichkeit, die die Darstellungen und Ordnungen von Texten, Postings und allen anderen Zeichen in sozialen Medien organisieren. Diese diagrammatische Bildlichkeit geht zurück auf diagrammatische Grundfiguren wie Listen, Netze, Karten oder Partituren. So erscheinen Tweets in einer „Timeline“ als geordnete Liste, die jedoch z.B. über die Auswahl eines Hashtags anders geordnet wird.
Der springende Punkt bei den Überlegungen ist dabei, dass die Analysen von Sozialen Medien wiederum selber diagrammatische Operationen vornehmen und so neue Ordnungen rekonstruieren. Verfolgt man ein diskursanalytisches Interesse bei der Analyse solcher Daten, ist das Zusammenspiel von „präanalytischen“ und analytischen diagrammatischen Operationen ein nicht zu trennendes Ensemble der gemeinsamen Rekonstruktion von Diskursen.

Statistics

Citations

Dimensions.ai Metrics

Altmetrics

Downloads

12 downloads since deposited on 08 Jan 2021
12 downloads since 12 months
Detailed statistics

Additional indexing

Item Type:Journal Article, not_refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of German Studies
Dewey Decimal Classification:430 German & related languages
Language:German
Date:2019
Deposited On:08 Jan 2021 13:22
Last Modified:08 Jan 2021 13:30
Publisher:Universitaet Mannheim * Seminar fuer Deutsche Philologie
ISSN:2627-9304
Additional Information:Thementitel des Heftes: Diskurse - digital: Theorien, Methoden, Fallstudien
OA Status:Green
Free access at:Publisher DOI. An embargo period may apply.
Publisher DOI:https://doi.org/10.2521/diskurse-digital.2019.107
Related URLs:https://uzb.swisscovery.slsp.ch/permalink/41SLSP_UZB/18ib5b3/alma99116928816805508 (Library Catalogue)
https://majournals.bib.uni-mannheim.de/diskurse-digital (Publisher)

Download

Green Open Access

Download PDF  'Social Media und der Iconic Turn: diagrammatische Ordnungen im Web 2.0'.
Preview
Content: Published Version
Language: German
Filetype: PDF
Size: 575kB
View at publisher