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Unabhängigkeit und politische Positionierung der Medien bei Volksabstimmungen: Jahrbuch Qualität der Medien Studie 3 / 2023


Udris, Linards (2023). Unabhängigkeit und politische Positionierung der Medien bei Volksabstimmungen: Jahrbuch Qualität der Medien Studie 3 / 2023. Zürich: Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög).

Abstract

Journalistische Medien spielen bei Volksabstimmungen eine zentrale Rolle, denn auf ihren Informationskanälen informieren sich viele Stimmberechtigte. Bundesrat und Behörden, Parteien, Verbände oder NGOs versuchen mit ihren Kampagnen, Medienresonanz zu erhalten und die Stimmbürger:innen mit ihren Argumenten zu überzeugen. Insgesamt sollten die Medien einem breiten Spektrum an Akteur:innen und Positionen Resonanz schenken und unabhängig von Einzelinteressen sein. In dieser Studie stützen wir uns auf manuelle Inhaltsanalysen der Berichterstattung über 44 Volksabstimmungen zwischen 2018 und 2023 in 23 Schweizer Medien. Wir untersuchen, welche Resonanz die Akteur:innen erhalten und wie in den Medien die Tonalität gegenüber Abstimmungsvorlagen ausfällt, also ob eine Vorlage eher unterstützt oder abgelehnt wird. Die Resultate zeigen, dass die Medienberichterstattung insgesamt die Behördenvorlagen von Regierung und Parlament tendenziell unterstützt und Volksinitiativen tendenziell ablehnt. Zudem erhalten Vorlagen von Mitte-links etwas mehr Zuspruch als Vorlagen von Mitte-rechts, besonders in redaktionellen Kommentaren. Vorlagen, die von Mitte-links unterstützt oder lanciert wurden, erfahren auf einer Skala von –100 bis +100 eine ambivalent-positive Tonalität (+7), während die Tonalität bei Mitte-rechts-Vorlagen im ambivalent-negativen Bereich liegt (–4). Linke Volksinitiativen stossen auf leichte Ablehnung (–5), die drei von rechts lancierten auf grössere Ablehnung (–26); von Mitte-rechts unterstützte Behördenvorlagen stossen auf knappe Akzeptanz (+3), von Mitte-links unterstützte Behördenvorlagen auf grössere Akzeptanz (+22). Gleichzeitig steht die Tonalität der Medienberichterstattung eher im Einklang mit den Abstimmungsresultaten der Stimmbevölkerung als mit den Stärkeverhältnissen der Parteien und ihrer Parolen. Diese generellen Muster bei der Tonalität zeigen sich bei den meisten untersuchten Medien – aber mit Unterschieden. Besonders die reichweitenstarken Medien – der öffentliche Rundfunk (SRF und RTS) und Pendlermedien wie 20 Minuten – haben in ihrer Berichterstattung eine durchschnittlich positive Tonalität gegenüber Mehrheitspositionen und zeigen keine Positionierung zugunsten von linken oder von rechten Vorlagen. Zwei Wochenzeitungen decken mit ihrer Berichterstattung die politischen Pole ab, die WochenZeitung (WOZ) auf der linken und die Weltwoche auf der rechten Seite. In der Medienberichterstattung kommt insgesamt ein breites Spektrum an Stimmen vor. Neben Regierung und Behörden (12,4%), der Zivilgesellschaft (14,4%), der Wissenschaft (10,5%) und der Wirtschaft (8,4%) machen die verschiedenen Parteien einen wichtigen Teil der Akteursresonanz aus (38,8%). Volksinitiativen und auch Vorlagen von rechter Seite erhalten im Durchschnitt mehr Resonanz, stossen aber auch auf mehr Kritik als Behördenvorlagen und Vorlagen von linker Seite. Insgesamt erweist sich die Medienberichterstattung über Volksabstimmungen in der Schweiz als relativ unabhängig und begünstigt weder die Regierung noch einzelne Parteien systematisch.

Abstract

Journalistische Medien spielen bei Volksabstimmungen eine zentrale Rolle, denn auf ihren Informationskanälen informieren sich viele Stimmberechtigte. Bundesrat und Behörden, Parteien, Verbände oder NGOs versuchen mit ihren Kampagnen, Medienresonanz zu erhalten und die Stimmbürger:innen mit ihren Argumenten zu überzeugen. Insgesamt sollten die Medien einem breiten Spektrum an Akteur:innen und Positionen Resonanz schenken und unabhängig von Einzelinteressen sein. In dieser Studie stützen wir uns auf manuelle Inhaltsanalysen der Berichterstattung über 44 Volksabstimmungen zwischen 2018 und 2023 in 23 Schweizer Medien. Wir untersuchen, welche Resonanz die Akteur:innen erhalten und wie in den Medien die Tonalität gegenüber Abstimmungsvorlagen ausfällt, also ob eine Vorlage eher unterstützt oder abgelehnt wird. Die Resultate zeigen, dass die Medienberichterstattung insgesamt die Behördenvorlagen von Regierung und Parlament tendenziell unterstützt und Volksinitiativen tendenziell ablehnt. Zudem erhalten Vorlagen von Mitte-links etwas mehr Zuspruch als Vorlagen von Mitte-rechts, besonders in redaktionellen Kommentaren. Vorlagen, die von Mitte-links unterstützt oder lanciert wurden, erfahren auf einer Skala von –100 bis +100 eine ambivalent-positive Tonalität (+7), während die Tonalität bei Mitte-rechts-Vorlagen im ambivalent-negativen Bereich liegt (–4). Linke Volksinitiativen stossen auf leichte Ablehnung (–5), die drei von rechts lancierten auf grössere Ablehnung (–26); von Mitte-rechts unterstützte Behördenvorlagen stossen auf knappe Akzeptanz (+3), von Mitte-links unterstützte Behördenvorlagen auf grössere Akzeptanz (+22). Gleichzeitig steht die Tonalität der Medienberichterstattung eher im Einklang mit den Abstimmungsresultaten der Stimmbevölkerung als mit den Stärkeverhältnissen der Parteien und ihrer Parolen. Diese generellen Muster bei der Tonalität zeigen sich bei den meisten untersuchten Medien – aber mit Unterschieden. Besonders die reichweitenstarken Medien – der öffentliche Rundfunk (SRF und RTS) und Pendlermedien wie 20 Minuten – haben in ihrer Berichterstattung eine durchschnittlich positive Tonalität gegenüber Mehrheitspositionen und zeigen keine Positionierung zugunsten von linken oder von rechten Vorlagen. Zwei Wochenzeitungen decken mit ihrer Berichterstattung die politischen Pole ab, die WochenZeitung (WOZ) auf der linken und die Weltwoche auf der rechten Seite. In der Medienberichterstattung kommt insgesamt ein breites Spektrum an Stimmen vor. Neben Regierung und Behörden (12,4%), der Zivilgesellschaft (14,4%), der Wissenschaft (10,5%) und der Wirtschaft (8,4%) machen die verschiedenen Parteien einen wichtigen Teil der Akteursresonanz aus (38,8%). Volksinitiativen und auch Vorlagen von rechter Seite erhalten im Durchschnitt mehr Resonanz, stossen aber auch auf mehr Kritik als Behördenvorlagen und Vorlagen von linker Seite. Insgesamt erweist sich die Medienberichterstattung über Volksabstimmungen in der Schweiz als relativ unabhängig und begünstigt weder die Regierung noch einzelne Parteien systematisch.

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Item Type:Published Research Report
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Department of Communication and Media Research
06 Faculty of Arts > Institute for Research on the Public Sphere and Society
Dewey Decimal Classification:070 News media, journalism & publishing
Language:German
Date:25 September 2023
Deposited On:22 Sep 2023 10:34
Last Modified:13 Nov 2023 16:56
Publisher:Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög)
Series Name:Jahrbuch Qualität der Medien
Number of Pages:17
OA Status:Green
Official URL:https://www.foeg.uzh.ch/dam/jcr:9b6b8973-92ed-4e00-8d75-c7a5e7024a99/JB_2023_Studie_III_AB_final.pdf
Related URLs:https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/238602/
  • Content: Published Version
  • Language: German
  • Content: Supplemental Material
  • Description: Codebuch