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Enough is enough. Hydrologie der Gewalt in Karen Duves "Regenroman"


Pierstorff, Cornelia (2024). Enough is enough. Hydrologie der Gewalt in Karen Duves "Regenroman". Bildbruch. Beobachtungen an Metaphern, 6(1):89-107.

Abstract

Karen Duves Regenroman (1999) steht ganz im Zeichen des Wassers. Wie bereits der Titel verrät, regnet es nicht nur unentwegt, sondern es fließt, quillt, sickert, dampft und modert – und zwar in und aus sämtlichen Schauplätzen wie auch aus allen Figuren. Ausgerechnet in ein abgelegenes Moor nämlich ziehen die beiden frisch Vermählten, der wenig erfolgreiche Autor Leon und seine jüngere und ausgesprochen angepasste Frau Martina, die eigentlich Roswitha heißt. Dort erwartet die beiden aber nicht die ersehnte ländliche Idylle fernab der Großstadt. Durch den anhaltenden Regen ist der Boden im Moorgebiet überwässert und das steigende Grundwasser setzt dem neu erworbenen Haus mehr und mehr zu, bis es schließlich in sich zusammenstürzt. Dieser langsam vonstattengehende Prozess begleitet, grundiert und spiegelt die Handlung um Leons Konflikt mit dem gewalttätigen Zuhälter und Ex-Boxer Pfitzner und dessen Handlanger Harry, der in der grausamen Vergewaltigung Martinas und der Vergeltung durch zwei Nachbarinnen seinen Höhepunkt findet. Dabei ist die Gewalt stets auf die exzessive Wassermotivik bezogen und erhält in diesem Bezug eine andere, nämlich strukturelle Qualität, wie ich im Folgenden zeigen möchte. Bereits Karl-Wilhelm Schmidt spricht in einem Beitrag von 2000 über Duves Regenroman von einer „detailfreudige[n], dem Thema stets neue Nuancen abgewinnende Rhetorik des Wassers, die in eine Poetik der Sintflut mündet“, wobei er zwar konstatiert, dass „die Metaphorik in diesem Zusammenhang eine genauere Betrachtung verdient“, sie aber selbst nicht einlöst. Denn der Roman bewirtschaftet über seine komplexe Metaphorik das Wasser in einem System aus Wasserkreisläufen, das mit einer ubiqui- tären Gewalt assoziiert ist, der letzten Endes alle Figuren unterworfen sind. So lässt sich die „Rhetorik des Wassers“ als Hydrologie, als metaphorische Bewirtschaftung spezifizieren.

Abstract

Karen Duves Regenroman (1999) steht ganz im Zeichen des Wassers. Wie bereits der Titel verrät, regnet es nicht nur unentwegt, sondern es fließt, quillt, sickert, dampft und modert – und zwar in und aus sämtlichen Schauplätzen wie auch aus allen Figuren. Ausgerechnet in ein abgelegenes Moor nämlich ziehen die beiden frisch Vermählten, der wenig erfolgreiche Autor Leon und seine jüngere und ausgesprochen angepasste Frau Martina, die eigentlich Roswitha heißt. Dort erwartet die beiden aber nicht die ersehnte ländliche Idylle fernab der Großstadt. Durch den anhaltenden Regen ist der Boden im Moorgebiet überwässert und das steigende Grundwasser setzt dem neu erworbenen Haus mehr und mehr zu, bis es schließlich in sich zusammenstürzt. Dieser langsam vonstattengehende Prozess begleitet, grundiert und spiegelt die Handlung um Leons Konflikt mit dem gewalttätigen Zuhälter und Ex-Boxer Pfitzner und dessen Handlanger Harry, der in der grausamen Vergewaltigung Martinas und der Vergeltung durch zwei Nachbarinnen seinen Höhepunkt findet. Dabei ist die Gewalt stets auf die exzessive Wassermotivik bezogen und erhält in diesem Bezug eine andere, nämlich strukturelle Qualität, wie ich im Folgenden zeigen möchte. Bereits Karl-Wilhelm Schmidt spricht in einem Beitrag von 2000 über Duves Regenroman von einer „detailfreudige[n], dem Thema stets neue Nuancen abgewinnende Rhetorik des Wassers, die in eine Poetik der Sintflut mündet“, wobei er zwar konstatiert, dass „die Metaphorik in diesem Zusammenhang eine genauere Betrachtung verdient“, sie aber selbst nicht einlöst. Denn der Roman bewirtschaftet über seine komplexe Metaphorik das Wasser in einem System aus Wasserkreisläufen, das mit einer ubiqui- tären Gewalt assoziiert ist, der letzten Endes alle Figuren unterworfen sind. So lässt sich die „Rhetorik des Wassers“ als Hydrologie, als metaphorische Bewirtschaftung spezifizieren.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of German Studies
Dewey Decimal Classification:430 German & related languages
Language:German
Date:2024
Deposited On:02 Apr 2024 10:52
Last Modified:02 Apr 2024 10:52
Publisher:s.n.
ISSN:2702-0150
OA Status:Green
Free access at:Official URL. An embargo period may apply.
Official URL:http://www.bildbruch.com/62024-uumlberflieszligen.html
  • Content: Published Version
  • Language: German
  • Licence: Creative Commons: Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)