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Die Authentizität der Traummitteilung


Boothe, B (2009). Die Authentizität der Traummitteilung. In: Amrain, U. Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen. Zürich, CH: Chronos Verlag, 175-196.

Abstract

Wer auf eigenes Traumerleben Bezug nimmt, bringt sprachlich und nonverbal einen Authentizitätsanspruch
und ein Authentizitätsproblem zum Ausdruck. Der Authentizitätsanpruch ist, dass
der Berichterstatter des eigenen Traumes unter dem Eindruck eines Ereignisses steht, das den
Charakter eines erlebenskonstitutiven einsamen Widerfahrnisses im Schlafzustand hat, das sich
in der nachträglichen Mitteilung kommunikativ geltend machen will. Das Authentizitätsproblem
ist, dass der Eindruck des Traumereignisses sich sowohl der sicheren Verfügung durch den
Träumer selbst entzieht – kaum lässt er sich im Gedächtnis festhalten – als auch der sprachlichen
Vermittlung Schwierigkeiten bietet. Wer seinen Traum berichtet, formuliert ihn mit charakteristischen
rhetorischen Mitteln, die ihn als schwer beschreibbares Fundstück unzuverlässigen Erinnerns
verdeutlichen. Gerade die kommunikative Darstellung des Traums als schwer beschreibbares
Fundstück unzuverlässigen Erinnerns gestattet seine Intersubjektivierung und macht sie
überzeugend. Der Gestus unkontrollierter Selbstoffenbarung freilich steht in Spannung zur
Dignität des Erwachsenen–Status, für den in zahlreichen Lebenskontexten Dezenz, Diskretion
und Bedeckung verbindlich sind. Diese Spannung gehört zum Herzstück der psychoanalytischen
Situation. Freud war einer der ersten humanwissenschaftlichen Forscher, der die Legitimation
öffentlicher Selbstenthüllung zum Wohl des wissenschaftlichen Fortschritts und der Vermehrung
von Selbstkenntnis mit grosser Breitenwirkung vertrat.

Abstract

Wer auf eigenes Traumerleben Bezug nimmt, bringt sprachlich und nonverbal einen Authentizitätsanspruch
und ein Authentizitätsproblem zum Ausdruck. Der Authentizitätsanpruch ist, dass
der Berichterstatter des eigenen Traumes unter dem Eindruck eines Ereignisses steht, das den
Charakter eines erlebenskonstitutiven einsamen Widerfahrnisses im Schlafzustand hat, das sich
in der nachträglichen Mitteilung kommunikativ geltend machen will. Das Authentizitätsproblem
ist, dass der Eindruck des Traumereignisses sich sowohl der sicheren Verfügung durch den
Träumer selbst entzieht – kaum lässt er sich im Gedächtnis festhalten – als auch der sprachlichen
Vermittlung Schwierigkeiten bietet. Wer seinen Traum berichtet, formuliert ihn mit charakteristischen
rhetorischen Mitteln, die ihn als schwer beschreibbares Fundstück unzuverlässigen Erinnerns
verdeutlichen. Gerade die kommunikative Darstellung des Traums als schwer beschreibbares
Fundstück unzuverlässigen Erinnerns gestattet seine Intersubjektivierung und macht sie
überzeugend. Der Gestus unkontrollierter Selbstoffenbarung freilich steht in Spannung zur
Dignität des Erwachsenen–Status, für den in zahlreichen Lebenskontexten Dezenz, Diskretion
und Bedeckung verbindlich sind. Diese Spannung gehört zum Herzstück der psychoanalytischen
Situation. Freud war einer der ersten humanwissenschaftlichen Forscher, der die Legitimation
öffentlicher Selbstenthüllung zum Wohl des wissenschaftlichen Fortschritts und der Vermehrung
von Selbstkenntnis mit grosser Breitenwirkung vertrat.

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Item Type:Book Section, not_refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Psychology
Dewey Decimal Classification:150 Psychology
Date:2009
Deposited On:17 Feb 2010 06:29
Last Modified:18 Feb 2018 00:23
Publisher:Chronos Verlag
ISBN:978-3-0340-0850-1
OA Status:Closed
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo_library/libweb/action/search.do?fn=search&mode=Advanced&vid=ZAD&vl%28186672378UI0%29=isbn&vl%281UI0%29=contains&vl%28freeText0%29=978-3-0340-0850-1

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