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Heilversuche: eine Analyse der Akteure und ihrer Koalitionen


Plüss, Larissa; Kübler, Daniel (2014). Heilversuche: eine Analyse der Akteure und ihrer Koalitionen. Zürich: Institut für Politikwissenschaft, Forschungsbereich Policy-Analyse & Evaluation.

Abstract

Den Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung bildet die Motion 11.3001 aus dem Jahr 2011, die eine umfassende Situationsanalyse zum Thema der Heilversuche verlangt. Eingebettet in eine umfangreichere Auslegeordnung soll diese Analyse die erst ansatzweise diskutierte Thematik der Heilversuche stärker beleuchten, die relevanten Akteure und Koalitionen identifizieren und so zu einer Klärung des Begriffs beitragen. Die Datenerhebung umfasst die Zeitspanne seit dem Jahr 2000 und stützt sich hauptsächlich auf drei Quellen: eine eingehende Literatur- und Internetrecherche, die Erhebung der Debatten des National- und Ständerates im weiteren Bereich der Heilversuche sowie die thematische Berichterstattung zu Heilversuchen in den grossen Tageszeitungen der Deutsch- und Westschweiz.

Basierend auf dem advocacy coalition framework (ACF) konnten im Policy-Subsystem der Heilversuche zwei advocacy coalitions identifiziert werden: die Patientenschutz-Koalition und die Therapiefreiheits-Koalition. Zu den Vertretern der Patientenschutz-Koalition zählen die Schweizerische Patientenorganisation (SPO) sowie Vertreter von linken und grünen Parteien. Ihre politischen Positionen, Überzeugungen und Forderungen im Bereich der Heilversuche umfassen die Sicherstellung des Rechtsschutzes der Patientinnen und Patienten sowie die Verbesserung ihrer Informiertheit und ihres Mitspracherechts. Daher tritt die Patientenschutz-Koalition für eine stärkere Regulierung der Heilversuche ein. Die Therapiefreiheits-Koalition auf der anderen Seite setzt sich zusammen aus der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), der pharmazeutischen Industrie sowie den Vertretern der liberalen Parteien. Ihre zentralen, policy-relevanten Überzeugungen umfassen die Erhaltung der freien Therapiewahl für Ärztinnen und Ärzte sowie die Bekämpfung zusätzlicher administrativer Hürden. Die Therapiefreiheits-Koalition setzt sich daher dafür ein, dass Heilversuche nicht zusätzlich reguliert werden.

In der politischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Koalitionen hat sich aber die SAMW als so genannter policy broker hervorgetan und einen Kompromissvorschlag präsentiert, der eine Verschriftlichung der „good medical practice“ im Bereich der Heilversuche vorsieht. Vertreter beiden Koalitionen haben an diesen Richtlinien mitgearbeitet – das Resultat liegt zurzeit im Entwurf vor. Statt auf den Begriff der Heilversuche stützt sich dieses Schriftstück aber auf eine Unterscheidung zwischen Standardbehandlung und nicht-etablierter Behandlung. Da dieses Vokabular einen Konsens zwischen den beiden Koalitionen darstellt, scheint es überaus sinnvoll, den umstrittenen und oftmals unklaren Ausdruck „Heilversuch“ darin zu verorten und zukünftig mit den gewählten Begrifflichkeiten der SAMW-Richtlinien zu verfahren.

Abstract

Den Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung bildet die Motion 11.3001 aus dem Jahr 2011, die eine umfassende Situationsanalyse zum Thema der Heilversuche verlangt. Eingebettet in eine umfangreichere Auslegeordnung soll diese Analyse die erst ansatzweise diskutierte Thematik der Heilversuche stärker beleuchten, die relevanten Akteure und Koalitionen identifizieren und so zu einer Klärung des Begriffs beitragen. Die Datenerhebung umfasst die Zeitspanne seit dem Jahr 2000 und stützt sich hauptsächlich auf drei Quellen: eine eingehende Literatur- und Internetrecherche, die Erhebung der Debatten des National- und Ständerates im weiteren Bereich der Heilversuche sowie die thematische Berichterstattung zu Heilversuchen in den grossen Tageszeitungen der Deutsch- und Westschweiz.

Basierend auf dem advocacy coalition framework (ACF) konnten im Policy-Subsystem der Heilversuche zwei advocacy coalitions identifiziert werden: die Patientenschutz-Koalition und die Therapiefreiheits-Koalition. Zu den Vertretern der Patientenschutz-Koalition zählen die Schweizerische Patientenorganisation (SPO) sowie Vertreter von linken und grünen Parteien. Ihre politischen Positionen, Überzeugungen und Forderungen im Bereich der Heilversuche umfassen die Sicherstellung des Rechtsschutzes der Patientinnen und Patienten sowie die Verbesserung ihrer Informiertheit und ihres Mitspracherechts. Daher tritt die Patientenschutz-Koalition für eine stärkere Regulierung der Heilversuche ein. Die Therapiefreiheits-Koalition auf der anderen Seite setzt sich zusammen aus der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), der pharmazeutischen Industrie sowie den Vertretern der liberalen Parteien. Ihre zentralen, policy-relevanten Überzeugungen umfassen die Erhaltung der freien Therapiewahl für Ärztinnen und Ärzte sowie die Bekämpfung zusätzlicher administrativer Hürden. Die Therapiefreiheits-Koalition setzt sich daher dafür ein, dass Heilversuche nicht zusätzlich reguliert werden.

In der politischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Koalitionen hat sich aber die SAMW als so genannter policy broker hervorgetan und einen Kompromissvorschlag präsentiert, der eine Verschriftlichung der „good medical practice“ im Bereich der Heilversuche vorsieht. Vertreter beiden Koalitionen haben an diesen Richtlinien mitgearbeitet – das Resultat liegt zurzeit im Entwurf vor. Statt auf den Begriff der Heilversuche stützt sich dieses Schriftstück aber auf eine Unterscheidung zwischen Standardbehandlung und nicht-etablierter Behandlung. Da dieses Vokabular einen Konsens zwischen den beiden Koalitionen darstellt, scheint es überaus sinnvoll, den umstrittenen und oftmals unklaren Ausdruck „Heilversuch“ darin zu verorten und zukünftig mit den gewählten Begrifflichkeiten der SAMW-Richtlinien zu verfahren.

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Item Type:Published Research Report
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Political Science
Dewey Decimal Classification:320 Political science
Uncontrolled Keywords:SPO Patientenschutz, Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Geschichte 2000-2014, Heilung, Gesundheitspolitik, Politikfeldanalyse, Schweiz
Language:German
Date:March 2014
Deposited On:17 Apr 2014 07:00
Last Modified:24 Sep 2019 20:18
Publisher:Institut für Politikwissenschaft, Forschungsbereich Policy-Analyse & Evaluation
Series Name:Zürcher Politik- & Evaluationsstudien
Number of Pages:22
ISBN:3-908610-33-8
Additional Information:Bericht zuhanden des Bundesamtes für Gesundheit
OA Status:Green
Free access at:Official URL. An embargo period may apply.
Official URL:https://www.ipz.uzh.ch/dam/jcr:00000000-76f5-e1f8-ffff-ffff851e8e85/ZPES_11_Heilversuche_2014.pdf
Related URLs:http://www.ipz.uzh.ch/forschung/publikationen/ZuerchpolEva.html (Organisation)
https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod010129810&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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