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Building blocks of morality : reciprocal altruism and food sharing among chimpanzees (Pan troglodytes), bonobos (Pan paniscus) and other primates


Jäggi, Adrian V. Building blocks of morality : reciprocal altruism and food sharing among chimpanzees (Pan troglodytes), bonobos (Pan paniscus) and other primates. 2010, University of Zurich, Faculty of Science.

Abstract

Zusammenfassung 1



Wie von jedem anderen menschlichen Merkmal lässt sich auch von der Moral

sagen sie habe eine adaptive Funktion, nämlich den sozialen Zusammenhalt und die

Kooperation zu fördern, und damit eine evolutionäre Geschichte. Genauer gesagt wurde

vorgeschlagen, dass die menschliche Moral aus sogenannten “Bausteinen” bestehe, d.h.

emotionale oder kognitive Mechanismen die auch bei anderen Arten vorhanden sein

könnten, insbesondere bei nicht-menschlichen Primaten. Einer der wichtigsten Kontexte

in denen solche Bausteine evoluieren können ist der reziproke Altruismus, der

Austausch von Gütern oder Dienstleistungen unter Gruppenmitgliedern. Das Hauptziel

dieser Studie war daher diese Idee vom reziproken Altruismus als ein Baustein der

Moral zu prüfen. Zu diesem Zweck konzentrierte sich dieses Projekt auf den

Futterteilenkontext, in dem ein Grossteil der Forschung über reziproken Altruismus

sowohl bei menschlichen als auch nicht-menschlichen Primaten durchgeführt wurde. In

einer ersten Studie wurden die grundlegenden Bedingungen unter denen Futterteilen bei

Primaten evoluieren kann untersucht, mit dem Resultat dass dies der Fall ist wannimmer

die grundlegenden Bedingungen für reziproken Altruismus erfüllt sind, was zu erhöhter

sozialer Toleranz führt, die sich auch im Futterteilen niederschlägt. Der Hauptteil der

empirischen Forschung wurde zum Futterteilen bei Schimpansen und Bonobos, unseren

nächsten Verwandten, durchgeführt. Beide Arten teilen im Freiland Futter und dieses

Verhalten kann auch in Zoos leicht ausgelöst werden, durch das Zugeben einer

monopolisierbaren Ressource. Die Resultate bestätigen, dass eine relativ egalitäre

Dominanzhierarchie eine wichtige Voraussetzung für reziproken Austausch ist, da in

despotischeren Gruppen das Futter mit Gewalt genommen wird. Ist die Möglichkeit für Zusammenfassung 2



reziproken Austausch gegeben, steigt die Motivation zu Teilen und es wird toleranter

geteilt. Was die proximate Regulierung angeht, so wird davon ausgegangen, dass Teilen

und reziproker Austausch durch selektive soziale Toleranz reguliert werden, und nicht

durch berechnende Formen des Austauschs, was hochentwickelte kognitive Fähigkeiten

voraussetzen würde. Daher sind die Erwartungen an Futterbesitzer nicht sehr stark und

Grosszügigkeit wird nicht belohnt, noch wird Geiz bestraft. Deshalb scheint es keine

sozialen Normen zu geben, die dem Futterteilen bei diesen Arten zugrunde läge und die

proximaten Mechanismen die es regulieren sind relativ einfach. Schliesslich wurde eine

umfassende Literaturübersicht durchgeführt, in der inspiriert von diesen Resultaten

untersucht wurde wie bereitwillig eigentlich geteilt oder sonstwie geholfen wird. Aus

einer Kombination von Studien zum Futterteilen und künstlicheren Experimenten wurde

geschlossen, dass Menschen eine höhere Motivation als andere Menschenaffen zeigen

anderen zu helfen. Dies ist im Einklang mit der Naturgeschichte dieser Arten.

Schliesslich wurden philosophische Ansichten des Altruismus, bei denen das Erkennen

der Bedürfnisse anderer und die Absicht diese zu befriedigen wichtig sind, auf Tiere

angewandt. Dies zeigte, dass wohl nur wenige Fälle von biologischem Altruismus auch

solchem psychologischen Altruismus entsprechen, denn den Tieren fehlen oft die

kognitiven oder motivationalen Voraussetzungen dazu. Zusammen ergeben diese

Resultate ein umfassenderes Bild vom System des reziproken Altruismus bei unseren

nächsten Verwandten. Trotz beständigen Unterschieden kann man unser eigenes

Reziprozitätssystem durchaus als Erweiterung dessen der Menschenaffen sehen,

getrieben von den Selektionsdrucken im Laufe der menschlichen Evolution. Auch wenn

Futterteilen und andere soziale Interaktionen unter Menschenaffen keine Moral im

menschlichen Sinne darstellen, so bilden sie doch die Bausteine aus denen unsere Zusammenfassung 3



eigene Moral besteht. Zum Schluss werden einige philosophische Implikationen eines

solchen Verständnisses der Moral diskutiert, insbesondere die Unwahrscheinlichkeit

objektiver ethischer Wahrheiten und die meta-ethischen Positionen die daraus folgen. Abstract 4



Morality, like any other human trait, has been proposed to have an adaptive

function, namely to promote social cohesion and cooperation, and thus has an

evolutionary history. More precisely, it has been suggested that human morality consists

of so-called “building blocks”, i.e. emotional or cognitive mechanisms that may be

shared with other species, in particular non-human primates. One main context in which

such building blocks may evolve is reciprocal altruism, the exchange of goods or

services among members of a social group. Hence, the main aim of this study was to

scrutinize the idea of reciprocal altruism as a building block of morality. To this end, the

project focused on the context of food sharing, in which much of the research on

reciprocal altruism among both human and non-human primates has been conducted. A

first comparative study investigated the basic conditions under which food sharing may

evolve among primates, concluding that it does so whenever individuals experience the

basic conditions for reciprocal altruism, thus leading to an increased social tolerance,

which translates into food sharing. The main empirical research was carried out on food

sharing in captive chimpanzees and bonobos, our closest living relatives. Both of these

species share food in the wild, and the behavior can easily be induced in captivity by

providing monopolizable resources. The results confirmed that a relatively egalitarian

dominance hierarchy is an important precondition for reciprocal exchange, because food

is taken by force in more despotic groups. Given the possibility for reciprocal exchange,

individuals may exhibit higher sharing motivation and share more tolerantly. In terms of

the proximate regulation, sharing and reciprocal exchange are thought to be regulated

by selective social tolerance, rather than calculated forms of exchange, requiring Abstract 5



advanced cognitive abilities. Hence, the social expectations towards food owners are not

very strong and neither is generosity rewarded nor is stinginess punished. Thus, there do

not seem to be social norms underlying food sharing among these species and the

proximate mechanisms regulating it are relatively simple. Finally, a large amount of

review work inspired by these results focused on the question of how voluntarily

individuals actually engage in food sharing or other acts of help or assistance.

Combining data from food sharing studies and more artificial experimental work, it was

concluded that humans show an increased motivation to act on behalf of others relative

to the apes, which is consistent with the natural history of the species. Finally, more

philosophical views of altruism, including the recognition of another person’s needs or

desires and the intention to actively satisfy these, were operationalized and applied to

non-human animals. It was found that few instances of biological altruism may also

represent psychological altruism in a philosophical sense because animals often lack

either the cognitive or the motivational preconditions required. These results combine to

yield a more complete picture of the reciprocal altruism system of our closest living

relatives. Despite consistent differences, our own reciprocal altruism system can be

understood as an extension of the apes’, expanded by the selective pressures

experienced in the course of human evolution. While food sharing and other social

interactions among apes thus may not represent morality in a human sense, they do

likely constitute building blocks from which our own morality stems. Finally, some

philosophical implications of such an understanding of morality as an adaptation with

an evolutionary history are discussed, in particular with regard to the unlikelihood of

objective truths and the meta-ethical positions that follow from this.

Abstract

Zusammenfassung 1



Wie von jedem anderen menschlichen Merkmal lässt sich auch von der Moral

sagen sie habe eine adaptive Funktion, nämlich den sozialen Zusammenhalt und die

Kooperation zu fördern, und damit eine evolutionäre Geschichte. Genauer gesagt wurde

vorgeschlagen, dass die menschliche Moral aus sogenannten “Bausteinen” bestehe, d.h.

emotionale oder kognitive Mechanismen die auch bei anderen Arten vorhanden sein

könnten, insbesondere bei nicht-menschlichen Primaten. Einer der wichtigsten Kontexte

in denen solche Bausteine evoluieren können ist der reziproke Altruismus, der

Austausch von Gütern oder Dienstleistungen unter Gruppenmitgliedern. Das Hauptziel

dieser Studie war daher diese Idee vom reziproken Altruismus als ein Baustein der

Moral zu prüfen. Zu diesem Zweck konzentrierte sich dieses Projekt auf den

Futterteilenkontext, in dem ein Grossteil der Forschung über reziproken Altruismus

sowohl bei menschlichen als auch nicht-menschlichen Primaten durchgeführt wurde. In

einer ersten Studie wurden die grundlegenden Bedingungen unter denen Futterteilen bei

Primaten evoluieren kann untersucht, mit dem Resultat dass dies der Fall ist wannimmer

die grundlegenden Bedingungen für reziproken Altruismus erfüllt sind, was zu erhöhter

sozialer Toleranz führt, die sich auch im Futterteilen niederschlägt. Der Hauptteil der

empirischen Forschung wurde zum Futterteilen bei Schimpansen und Bonobos, unseren

nächsten Verwandten, durchgeführt. Beide Arten teilen im Freiland Futter und dieses

Verhalten kann auch in Zoos leicht ausgelöst werden, durch das Zugeben einer

monopolisierbaren Ressource. Die Resultate bestätigen, dass eine relativ egalitäre

Dominanzhierarchie eine wichtige Voraussetzung für reziproken Austausch ist, da in

despotischeren Gruppen das Futter mit Gewalt genommen wird. Ist die Möglichkeit für Zusammenfassung 2



reziproken Austausch gegeben, steigt die Motivation zu Teilen und es wird toleranter

geteilt. Was die proximate Regulierung angeht, so wird davon ausgegangen, dass Teilen

und reziproker Austausch durch selektive soziale Toleranz reguliert werden, und nicht

durch berechnende Formen des Austauschs, was hochentwickelte kognitive Fähigkeiten

voraussetzen würde. Daher sind die Erwartungen an Futterbesitzer nicht sehr stark und

Grosszügigkeit wird nicht belohnt, noch wird Geiz bestraft. Deshalb scheint es keine

sozialen Normen zu geben, die dem Futterteilen bei diesen Arten zugrunde läge und die

proximaten Mechanismen die es regulieren sind relativ einfach. Schliesslich wurde eine

umfassende Literaturübersicht durchgeführt, in der inspiriert von diesen Resultaten

untersucht wurde wie bereitwillig eigentlich geteilt oder sonstwie geholfen wird. Aus

einer Kombination von Studien zum Futterteilen und künstlicheren Experimenten wurde

geschlossen, dass Menschen eine höhere Motivation als andere Menschenaffen zeigen

anderen zu helfen. Dies ist im Einklang mit der Naturgeschichte dieser Arten.

Schliesslich wurden philosophische Ansichten des Altruismus, bei denen das Erkennen

der Bedürfnisse anderer und die Absicht diese zu befriedigen wichtig sind, auf Tiere

angewandt. Dies zeigte, dass wohl nur wenige Fälle von biologischem Altruismus auch

solchem psychologischen Altruismus entsprechen, denn den Tieren fehlen oft die

kognitiven oder motivationalen Voraussetzungen dazu. Zusammen ergeben diese

Resultate ein umfassenderes Bild vom System des reziproken Altruismus bei unseren

nächsten Verwandten. Trotz beständigen Unterschieden kann man unser eigenes

Reziprozitätssystem durchaus als Erweiterung dessen der Menschenaffen sehen,

getrieben von den Selektionsdrucken im Laufe der menschlichen Evolution. Auch wenn

Futterteilen und andere soziale Interaktionen unter Menschenaffen keine Moral im

menschlichen Sinne darstellen, so bilden sie doch die Bausteine aus denen unsere Zusammenfassung 3



eigene Moral besteht. Zum Schluss werden einige philosophische Implikationen eines

solchen Verständnisses der Moral diskutiert, insbesondere die Unwahrscheinlichkeit

objektiver ethischer Wahrheiten und die meta-ethischen Positionen die daraus folgen. Abstract 4



Morality, like any other human trait, has been proposed to have an adaptive

function, namely to promote social cohesion and cooperation, and thus has an

evolutionary history. More precisely, it has been suggested that human morality consists

of so-called “building blocks”, i.e. emotional or cognitive mechanisms that may be

shared with other species, in particular non-human primates. One main context in which

such building blocks may evolve is reciprocal altruism, the exchange of goods or

services among members of a social group. Hence, the main aim of this study was to

scrutinize the idea of reciprocal altruism as a building block of morality. To this end, the

project focused on the context of food sharing, in which much of the research on

reciprocal altruism among both human and non-human primates has been conducted. A

first comparative study investigated the basic conditions under which food sharing may

evolve among primates, concluding that it does so whenever individuals experience the

basic conditions for reciprocal altruism, thus leading to an increased social tolerance,

which translates into food sharing. The main empirical research was carried out on food

sharing in captive chimpanzees and bonobos, our closest living relatives. Both of these

species share food in the wild, and the behavior can easily be induced in captivity by

providing monopolizable resources. The results confirmed that a relatively egalitarian

dominance hierarchy is an important precondition for reciprocal exchange, because food

is taken by force in more despotic groups. Given the possibility for reciprocal exchange,

individuals may exhibit higher sharing motivation and share more tolerantly. In terms of

the proximate regulation, sharing and reciprocal exchange are thought to be regulated

by selective social tolerance, rather than calculated forms of exchange, requiring Abstract 5



advanced cognitive abilities. Hence, the social expectations towards food owners are not

very strong and neither is generosity rewarded nor is stinginess punished. Thus, there do

not seem to be social norms underlying food sharing among these species and the

proximate mechanisms regulating it are relatively simple. Finally, a large amount of

review work inspired by these results focused on the question of how voluntarily

individuals actually engage in food sharing or other acts of help or assistance.

Combining data from food sharing studies and more artificial experimental work, it was

concluded that humans show an increased motivation to act on behalf of others relative

to the apes, which is consistent with the natural history of the species. Finally, more

philosophical views of altruism, including the recognition of another person’s needs or

desires and the intention to actively satisfy these, were operationalized and applied to

non-human animals. It was found that few instances of biological altruism may also

represent psychological altruism in a philosophical sense because animals often lack

either the cognitive or the motivational preconditions required. These results combine to

yield a more complete picture of the reciprocal altruism system of our closest living

relatives. Despite consistent differences, our own reciprocal altruism system can be

understood as an extension of the apes’, expanded by the selective pressures

experienced in the course of human evolution. While food sharing and other social

interactions among apes thus may not represent morality in a human sense, they do

likely constitute building blocks from which our own morality stems. Finally, some

philosophical implications of such an understanding of morality as an adaptation with

an evolutionary history are discussed, in particular with regard to the unlikelihood of

objective truths and the meta-ethical positions that follow from this.

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Additional indexing

Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:van Schaik Carel, Fischer Johannes,
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:170 Ethics
300 Social sciences, sociology & anthropology
Language:English
Place of Publication:Zürich
Date:2010
Deposited On:20 May 2014 10:49
Last Modified:24 Sep 2019 20:20
Number of Pages:200
OA Status:Green
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod006290693&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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