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Der Bericht Nehemias: Zur literarischen Eigenart, traditionsgeschichtlichen Prägung und innerbiblischen Rezeption des Ich-Berichts Nehemias


Reinmuth, Titus (2002). Der Bericht Nehemias: Zur literarischen Eigenart, traditionsgeschichtlichen Prägung und innerbiblischen Rezeption des Ich-Berichts Nehemias. Freiburg, Switzerland / Göttingen, Germany: Universitätsverlag / Vandenhoeck & Ruprecht.

Abstract

Der Ich-Bericht Nehemias ist Dokument einer theologischen Kontroverse in nachexilischer Zeit. Die politische Organisation des Gemeinwesens, die Gestaltung sozialer Gerechtigkeit und Fragen des Alltagslebens in Juda stehen zur Debatte. Der Bericht Nehemias befindet sich dabei im Gespräch mit weiten Bereichen der übrigen alttestamentlichen Literatur.
Innerhalb des Ganzen sind eine breite „Mauerbau-Erzählung“ (Neh 1-4; 6,1-7,5; 12,27-43) und eine schmalere „Nehemia-Denkschrift“ (Neh 5,1-19; 13,4-31) literarisch voneinander zu unterscheiden. Die vorliegende Arbeit gibt darüber hinaus neue Einblicke in das Zusammenspiel von Tradition und Rezeption. Insbesondere die Denkschrift-Texte haben mit ihrenThemen Schuldenerlass, Tempelreform, Sabbatheiligung und Mischehen Wirkungsgeschichte gemacht: Lev 25 und Jer 34,8-22 rezipieren Neh 5; Am 8,4-8 und Jer 17,19-27 setzen Neh 13,15-22 bereits voraus; auch die verschiedenen Verarbeitungen der Mischehenproblematik in Ex 34, Dtn 7, Jer 29, Esr 9 u.a. erklären sich als Reflex auf die Darstellung in Neh 13,23-31. Chronistische Texte zeigen sich demgegenüber eher an der Tempelreform sowie an den Baumassnahmen und deren militärischer Absicherung interessiert.
Eine deutlich tora-orientierte Redaktion hat den Nehemia-Bericht zusammengefügt und bearbeitet. Die Editoren stellen das Gebet Neh 1,4-11 programmatisch an den Anfang. Nach besonderen Verweisen auf die Tora in Neh 12,44 und 13,1-3 präsentieren sie Neh 13,4-31 als entscheidendes Schlusswort am Ende des Buches, um die ihrerseits schon an der Tora ausgerichteten Reformen Nehemias gegenüber dem Mauerbau hervorzuheben. Auch der Grundbestand der Selbstverpflichtungen in Neh 10,31-40 ist in diesem schriftgelehrten Milieu entstanden.
Gerade an den redaktionellen Texten wird deutlich: Es sind nicht prophetisch orientierte Gruppen, sondern priesterliche und schriftgelehrte Kreise, die Nehemia und seine Reformen mittragen und weiterführen. In den theologischen Debatten der nachexilischen Zeit versuchen diese Kreise die aktuellen Herausforderungen anzunehmen und einer Orientierung an der Tora Geltung zu verschaffen, um Gegenwart und Zukunft in Juda neu zu gestalten.

Abstract

Der Ich-Bericht Nehemias ist Dokument einer theologischen Kontroverse in nachexilischer Zeit. Die politische Organisation des Gemeinwesens, die Gestaltung sozialer Gerechtigkeit und Fragen des Alltagslebens in Juda stehen zur Debatte. Der Bericht Nehemias befindet sich dabei im Gespräch mit weiten Bereichen der übrigen alttestamentlichen Literatur.
Innerhalb des Ganzen sind eine breite „Mauerbau-Erzählung“ (Neh 1-4; 6,1-7,5; 12,27-43) und eine schmalere „Nehemia-Denkschrift“ (Neh 5,1-19; 13,4-31) literarisch voneinander zu unterscheiden. Die vorliegende Arbeit gibt darüber hinaus neue Einblicke in das Zusammenspiel von Tradition und Rezeption. Insbesondere die Denkschrift-Texte haben mit ihrenThemen Schuldenerlass, Tempelreform, Sabbatheiligung und Mischehen Wirkungsgeschichte gemacht: Lev 25 und Jer 34,8-22 rezipieren Neh 5; Am 8,4-8 und Jer 17,19-27 setzen Neh 13,15-22 bereits voraus; auch die verschiedenen Verarbeitungen der Mischehenproblematik in Ex 34, Dtn 7, Jer 29, Esr 9 u.a. erklären sich als Reflex auf die Darstellung in Neh 13,23-31. Chronistische Texte zeigen sich demgegenüber eher an der Tempelreform sowie an den Baumassnahmen und deren militärischer Absicherung interessiert.
Eine deutlich tora-orientierte Redaktion hat den Nehemia-Bericht zusammengefügt und bearbeitet. Die Editoren stellen das Gebet Neh 1,4-11 programmatisch an den Anfang. Nach besonderen Verweisen auf die Tora in Neh 12,44 und 13,1-3 präsentieren sie Neh 13,4-31 als entscheidendes Schlusswort am Ende des Buches, um die ihrerseits schon an der Tora ausgerichteten Reformen Nehemias gegenüber dem Mauerbau hervorzuheben. Auch der Grundbestand der Selbstverpflichtungen in Neh 10,31-40 ist in diesem schriftgelehrten Milieu entstanden.
Gerade an den redaktionellen Texten wird deutlich: Es sind nicht prophetisch orientierte Gruppen, sondern priesterliche und schriftgelehrte Kreise, die Nehemia und seine Reformen mittragen und weiterführen. In den theologischen Debatten der nachexilischen Zeit versuchen diese Kreise die aktuellen Herausforderungen anzunehmen und einer Orientierung an der Tora Geltung zu verschaffen, um Gegenwart und Zukunft in Juda neu zu gestalten.

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Item Type:Monograph
Communities & Collections:Special Collections > Orbis Biblicus et Orientalis
Dewey Decimal Classification:200 Religion
290 Other religions
930 History of ancient world (to ca. 499)
Language:German
Date:2002
Deposited On:25 Oct 2018 08:36
Last Modified:24 Sep 2019 23:49
Publisher:Universitätsverlag / Vandenhoeck & Ruprecht
Series Name:Orbis Biblicus et Orientalis
Volume:183
Number of Pages:383
ISBN:3-7278-1377-6
Additional Information:Digitalisat erstellt durch Florina Tischhauser, Religionswissenschaftliches Seminar, Universität Zürich
OA Status:Green
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