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Das Habsburger Urbar : vom Urbar-Rodel zum Traditionscodex


Bärtschi, Marianne. Das Habsburger Urbar : vom Urbar-Rodel zum Traditionscodex. 2008, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Das so genannte Habsburger Urbar ist ein für die landesgeschichtliche Forschung zentrales und im europäischen Raum sehr frühes und einzigartiges Beispiel einer landesherrlichen Urbaraufnahme. Aufgrund seiner detaillierten Angaben vermittelt es ein eindrückliches Bild über die territorialen Herrschaftsansprüche der Habsburger zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Elsass, weiten Teilen der Schweiz, im Schwarzwald und in Schwaben. Eine grundlegende Edition mit einem sehr ausführlichen Kommentar liegt seit gut 100 Jahren vor.1 Leider ist jedoch bis heute nicht geklärt, wie und warum das Habsburger Urbar überhaupt entstand, welche Funktion es innerhalb des habsburgischen Verwaltungsapparates erfüllte und weshalb es Jahrhunderte lang immer wieder unverändert abgeschrieben wurde. Die vorliegende Arbeit möchte die damals selbstverständliche Annahme, es handle sich bei diesem Einkünfteverzeichnis um eine systematische Inventarisierung des tatsächlichen Besitzes der Habsburger, im Lichte neuerer Forschungen zum normativen Gehalt und symbolischen Charakter solcher Schriftstücke revidieren. Hierfür werden die Herstellung und das so genannte „remaking” dieses berühmten Quellenstücks unter Aspekten moderner Vorstellungen zur Verschriftlichung neu untersucht. Ein erstes Resultat dieser Betrachtungen hat ergeben, dass die alte und von der Edition suggerierte Vorstellung korrigiert werden muss, wonach es sich beim Habsburger Urbar um eine geschlossene, sozusagen in einer einmaligen Grossaktion Albrechts I. entstandene Bestandesaufnahme über den landesherrlichen Besitz gehandelt hätte. Auch die Annahme, es müsse von einem vollständig vorhandenen, später jedoch teilweise verloren gegangenen Rodelbestand ausgegangen werden, welcher die gesamten Vorlande umfasste, kann nicht bestätigt werden. Zwischen 1303 und 1314 entstanden zeitlich gestaffelt vier verschiedene Urbare, welche von vier verschiedenen Schreibern stammen, die vier geografisch genau begrenzte Regionen des habsburgischen Einflussbereiches erfassten und dabei auf bereits existierendes Schriftgut zurückgriffen. 2 Die Aufnahme weiterer Gebiete erfolgte erst bei der Herstellung späterer Abschriften dieses Materials. Da die jüngsten berücksichtigten Erwerbungen jedoch vor 1303 erfolgten, darf angenommen werden, dass sämtliche Aufzeichnungen ganz bewusst den Besitz- 1 Maag, Rudolf (Hg.): Das Habsburgische Urbar. Bd.1. Das eigentliche Urbar über die Einkünfte und Rechte. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 14. Basel 1894 und Ders.: Das Habsburgische Urbar. Bd. 2. Pfand- und Revokationsrödel zu König Albrechts Urbar, frühere und spätere Urbaraufnahmen und Lehenverzeichnisse der Laufenburger Linie. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 15. Basel 1899. Dazu ein Kommentar und Register in: Schweizer, Paul u. Glättli, Walther: Das Habsburgische Urbar, Bd. 3, Register, Glossar, Wertangaben, Beschreibung, Geschichte und Bedeutung des Urbars, Basel 1904. 2 Gemeint sind die von Maag und Schweizer als A-, B-, C- und D-Rödel bezeichneten Schriftstücke. stand der Habsburger in den Vorlanden unter den beiden Königen Rudolf I. und Albrecht I. festhalten. Gründe für die Herstellung der verschiedenen Rödel zu Beginn des 14. Jahrhunderts sind einerseits in zwischenherrschaftlichen Auseinandersetzungen zu suchen. So deuten vor allem die in den einzelnen Verwaltungszentren in Ensisheim, Baden und Kyburg angefertigten Verzeichnisse darauf hin, dass mit ihrer Hilfe eine territoriale Aus- und Abgrenzung des habsburgischen Einflussbereiches gegenüber ”fremden” Herrschafts- trägern beabsichtigt gewesen war. Andererseits dürften aber auch Strukturveränderungen innerhalb des habsburgischen Verwaltungsapparates für die Erstellung der Verzeichnisse verantwortlich gewesen sein. Parallel zu den Einkünfterödeln entstanden nämlich auch Pfand- und Revokationsrödel. Letztere erweisen sich bei näherem Hinsehen zur Hauptsache als Verzeichnisse von beanspruchten Gefolgschaften und Besitzrechten über bis anhin nicht der Landesherrschaft zustehende Güter und Rechte, während in den Pfandverzeichnissen der Umgang mit Pfändern als breit eingesetztes Strukturelement von Landesherrschaft überhaupt erscheint. Bei der Erstellung dieser Verzeichnisse ging es weniger darum, die in ihnen genannten Ansprüche tatsächlich einzufordern oder die Pfänder nutzbringend zu bewirtschaften. Viel mehr lag den Habsburgern daran, durch die wiederholte Nennung lokaler Herrschaftsträger, diese stärker oder überhaupt an die Landesherrschaft zu binden. Mittels Schrift wird so eine Gefolgschaft gebildet, die „auf ewig” mit der Herrschaft Habsburg verbunden bleibt und ein Beziehungsgeflecht aufgebaut, das fortan als habsburgisch gilt. Die Inhalte der Urbaraufnahmen nehmen viel stärker als bisher angenommen auf die unterschiedlichen regionalen und lokalen Gegebenheiten Rücksicht, als dass sie übergeordnete, normative Vorstellungen landesherrlicher Zentralverwaltung spiegeln würden. Ausserdem lässt sich nur bei einem relativ geringen Teil der im Urbar angegebenen Besitzungen der Übergang an die Habsburger durch schriftlich abgesicherte Rechtsgeschäfte nachweisen. Je grösser die erworbenen Herrschaftskomplexe als Ganzes sind, desto weniger präzise sind die urkundlichen Angaben. Das Urbar erfüllte also in erster Linie den Zweck, die fehlenden Beweise durch entsprechende Aufzeichnungen zu kompensieren. Hierfür genügt es aber nicht, den aktuellen Stand des Herrschaftsgefüges festzuhalten, sondern es ist nötig, eigentliche ”Besitzgeschichten” zu erzählen. Die genauere Betrachtung einzelner solcher Besitzgeschichten hat ergeben, dass die im Urbar genannten Güterkomplexe weitgehend in der Verfügungsgewalt der ehemaligen Besitzer verblieben sind. Eine Neuordung der Herrschaftsverhältnisse durch neu eingesetzte habsburgische Beamte lässt sich nicht nachweisen. Dadurch muss die klassische Vorstellung über habsburgischen Besitz relativiert werden. Das Urbar verzeichnet nicht die tatsächliche habsburgische Herrschaftsausübung an Ort und Stelle, sondern lässt die Herkunft, politische Beanspruchungsformen und lokale Besonderheiten der beanspruchten Territorien deutlicher hervortreten. Diese Verschriftlichungspraxis wird in den späteren Aufzeichnungen weitergeführt. Anhand verschiedener „Abschreibstränge” lässt sich der symbolische Charakter des Urbars als Grundlage für die Herstellung von Tradition und die Anspruchswahrung in Konflikten zeigen. Die zwischen 1303 und 1314 entstandenen Einkünfterödel werden in den 20er Jahren des 14. Jahrhunderts zum ersten Mal in einem zusammenhängenden Schriftstück zusammengefasst und mit einigen, vor allem „innerschweizerischen” Besitzungen ergänzt. Die Erstellung dieses ersten umfassenderen Verzeichnisses kann mit Friedrich dem Schönen in Bezug gesetzt werden, der sich das Königtum zwar mit Ludwig von Bayern teilen musste, aber dennoch oder gerade deswegen Veranlassung hatte, seine „Haus- macht“ zu stärken, zumal er in der Schlacht bei Morgarten auf kriegerischen Widerstand der Eidgenossen gestossen war. Die Herstellung der „Reinschrift” muss auf Initiative Herzog Albrechts II. anlässlich des Ablaufs des auf fünf Jahre angelegten Landfriedens vom 20. Juli 1333 zwischen den habsburgischen Herrschaftsgebieten in den Vorlanden einerseits und den Städten Basel, Konstanz, Zürich, St. Gallen, Bern, Solothurn und anderen Städten, die als «des riches stette» bezeichnet wurden, auf der anderen Seite erfolgt sein. Sie ist die erste vollständige Kompilation und zugleich auch die letzte Ergänzung sämtlicher bisher erstellten Einkünfterödel. In der Folge „begnügte” man sich mit Kopien oder Teilabschriften der alten Verzeichnisse. Anlässe für die Herstellung der verschiedenen Abschriften im 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren einerseits die innerfamiliären Verhältnisse der Habsburger. So wurden zwischen 1370 – 1411 die österreichischen Länder mehrmals in rascher Folge zwischen verschiedenen österreichischen Herzogen durch Verträge aufgeteilt. Andererseits scheinen aber besonders die zunehmenden Auseinandersetzungen der Habsburger mit den Eidgenossen, Anlässe für die Neuaufnahme der alten Verzeichnisse geboten zu haben. Offenbar wurden die Schriftstücke, obwohl sie nur mehr einen symbolischen Wert besassen, in den Verhandlungen mit dem politischen Gegner als Gegenbeweise zu seinen Forderungen eingesetzt. Wie wichtig das Habsburger Urbar für die politischen Gegner der Habsburger war, zeigen die eidgenössischen Abschriften nach der Eroberung des Aargaus 1415. Offenbar spielte nicht nur das Aneignen und Besitzen, sondern auch die Reproduktion von Schriftstücken eine wichtige Rolle in den herrschaftlichen Auseinandersetzungen. Es genügte nicht, die geraubten Schriftstücke nur zu erobern. Für die Sieger war es ausserdem notwendig, zu zeigen, dass sie in der Lage und im Recht waren, ihrerseits wieder „eigene” Schriftstücke anzufertigen. Dadurch wurde nicht nur Macht gegenüber dem „Feind”, sondern auch gegenüber den eigenen „Kriegspartnern” demonstriert. Bezeichnenderweise waren es dann auch die Berner, welche als erste eine Abschrift der geraubten Schriftstücke herstellten. Luzern und Zürich „durften” das erst später tun. Die Abschreibtechnik zeigt, wie stark der Faktor der Legitimierung durch Tradition auch in der eidgenössischen Staatlichkeit nachwirkt. Dass es offensichtlich auch eine Prestigefrage war, mindestens die gleiche Anzahl von Schriftstücken wie der (ehemalige) politische Gegner zu besitzen, zeigen dann die drei ”österreichischen” Abschriften vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Ihre Herstellung dürfte im Zusammenhang mit den in dieser Zeit verstärkten Bemühungen seitens Kaiser Maximilians I. stehen, seine Stellung als europäischer Herrscher zu festigen und auszubauen. Dafür spricht nicht zuletzt die feierliche Ausgestaltung dieser Dokumente. Sie zeigen die Absicht Maximilians, neuerlich Ansprüche auf die eigentlich längst verlorenen Gebiete zu stellen. Vereinzelte Hinweise in jenen Schriftstücken, welche Aufschluss über das Schicksal des Urbars nach der Eroberung des Archivs zu Baden geben, deuten an, dass zumindest die Leute, welche mit der Rückgewinnung der geraubten Archivalien betraut waren, die Habsburger immer noch als „rechtmässige Herren” betrachteten. Die Tatsache, dass es für die Habsburger zu diesem (späten) Zeitpunkt möglich war, überhaupt nochmals Kopien des Urbars anzufertigen, darf aber mindestens auch als Zeichen für die beiderseitige Anerkennung der neuen „Machtkonstellationen” genommen werden, wie sie sich nach den langen Auseinandersetzungen zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern am Anfang des 16. Jahrhunderts ergeben hatten. Insgesamt wird klar, dass das gesamte urbariale Schriftgut der Habsburger in erster Linie auf zwischenherrschaftliche Konflikte, Anspruchswahrung und Traditionsbildung ausgerichtet war und nicht eine „Administration” modernen Zuschnitts spiegelt. Nur so lässt sich erklären, weshalb das eigentliche Urbarbuch in Form der sogenannten „Reinschrift” erst 1338 entstand, und warum dieses Buch über Jahrhunderte hinweg sowohl von den Habsburgern selbst als auch von den Eidgenossen mehrfach kopiert wurde. Da man sich bereits bei der Herstellung der Rödel und erst recht bei den späteren Kompilationen offensichtlich um die nachträgliche Richtigstellung bereits in Vergessenheit geratener Umstände bemühte, muss das Habsburger Urbar heute eindeutig als Traditionscodex betrachtet werden, der keinen verwaltungstechnischen, sondern in erster Linie einen historiografischen Zweck erfüllte.

The Habsburger Urbar, as it is known, is an example of the inception of an Urbar by the territorial lord. For the European zone it represents a unique and very early example and its status in regiohistorical research is vital. Because of the richness of its information it conveys an impressively detailed image of the Habsburg territorial claims to power in the Alsace, great parts of Switzerland, the Black Forest and in Swabia at the beginning of the 14th century. A basic edition with a very extensive commentary has been available for more than 100 years.3 Unfortunately, it is still not clear how and why the Habsburger Urbar was conceived, which function it had within the Habsburg admin- istrative apparatus and why it was reproduced for centuries without modifications. Based on recent research on the normative content and the symbolic character of directories of revenues this paper wants to revise the assumption, which was self-evident at the time, that this directory of revenues was an orderly inventory of the actual possession of the Habsburgs. For this purpose the production and the so-called “remaking” of this famous source was analyzed under the aspects of modern conceptions of Verschriftlichung. A first result of these observations indicates that a revision is necessary of the old notion suggested by the edition of Maag that the Habsburger Urbar presents a closed inventory of the sovereign’s possessions, more or less produced in a singular tour de force under the reign of Albrecht I. Furthermore, it is not possible to confirm the assumption of a complete inventory of the Vorlande, of which parts were lost later on. Between 1303 and 1314 four different records were created in different phases. These were made by four different scribes which recorded four geographically well-defined regions of the Habsburg circle of influence and which referred to existing documents. The records for additional areas were only added in the reproduction of later copies of this material. But since the newest mentioned acquisitions happened before 1303, one can assume that all the documentation is intended to record the possessions of the Habsburgs in the Vorlande under the reigns of the two kings Rudolf I and Albrecht I. The reasons for the production of the different Rotuli at the beginning of the 14th century can be found on the one hand in the intersovereign disputes. Especially the directo- ries made in the administrative centres in Ensisheim, Baden and Kyburg indicate that the intention of the directories was a dissociation and exclusion of “foreign” dominions 3 Maag, Rudolf (Hg.): Das Habsburgische Urbar. Bd.1. Das eigentliche Urbar über die Einkünfte und Rechte. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 14. Basel 1894 and ibid: Das Habsburgische Urbar. Bd. 2. Pfand- und Revokationsrödel zu König Albrechts Urbar, frühere und spätere Urbaraufnahmen und Lehenverzeichnisse der Laufenburger Linie. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 15. Basel 1899. A commentary and register in: Schweizer, Paul u. Glättli, Walther: Das Habsburgische Urbar, Bd. 3, Register, Glossar, Wertangaben, Beschreibung, Geschichte und Bedeutung des Urbars, Basel 1904. from the Habsburg circle of influence. On the other hand, structural changes within the Habsburg administrative organization must have been responsible for the creation of the directories. Parallel to the Rotuli of the revenues, Rotuli of pledges and of revocations were made. At closer inspection the latter turn out to be mainly directories of claimed allegiances, rights of ownerships of commodities and rights the dominion had not been entitled to up to that time. While the directories of pledges, on the other hand, indicate that the usage of pledges was a widely deployed structural element in the dominion in general. The creation of the directories was less about actually collecting the mentioned claim or to manage the pledges in a profitable way, the Habsburgs were more interested in tying local potentates to the Habsburg dominion or to incorporate them more by repeated mentions. The transcript thus forms an allegiance tied “forever” to the reign of the Habsburgs and the locals are inserted into a network which henceforth is known as Habsburg. The contents of the Urbar take the different regional and local circumstances into account to a much greater degree than assumed up to now and than the superordinate, normative image of the sovereign central administrative apparatus would imply. Furthermore, only for a rather small part of the possessions mentioned in the Urbar can the acquisition by the Habsburgs be accounted for by written legal documentation. The bigger the dominions are as a whole, the less precise the documentation. Thus as will be shown the main function of the Urbar is to compensate for the missing proof with the corresponding records. For this purpose it does not suffice to record the current condition of the rule structure but it would be necessary to tell “stories of possessions”. The examination of single stories of possession has shown that the commodities mentioned in the Urbar stayed under the management of the former owners to a large extent. A reorganization of the sovereign structures by newly appointed Habsburg officials cannot be proven. There- fore, the classic image of the Habsburg possessions has to be put into perspective. The Urbar does not record the actual Habsburg exertion of control in situ but illustrates the origins, forms of political claims and local characteristics of the claimed territories. This practice of transcription is continued in later directories. Based on different “strands of copying” one can show the symbolic nature of the Urbar as a basis for traditions and protection of claims in times of conflicts. In the twenties of the 14th century the Rotuli of revenue made between 1303 and 1314 were joined into a single coherent document for the first time and supplemented with a few, mainly “Innerswiss” possessions. The inception of this first more encompassing directory can be related to the Frederick the Handsome, who had to share the kingdom with Louis the Bavarian, but still or maybe because of that had motive to fortify his “power base”, especially since he had encountered the warlike resistance of the Swiss Confederation in the Battle of Morgarten. The production of the “Reinschrift” must have been initiated by Duke Albert II on the occasion of the end of the 5 years of public peace of July 20 1333 between the Habsburg sovereignties in the Vorlande on the one hand, and the cities Basel, Konstanz, Zürich, St. Gallen, Bern, Solothurn and other cities which were known as «des riches stette» on the other hand. The “Reinschrift” is the first complete compilation and also the last addendum to all preceding revenue rödels. From then on one was “satisfied” with copies and partial copies of the old directories. Occasions for the different transcripts in the 14th century and at the beginning of the 15th century were on the one hand the innerfamiliar relations of the Habsburgs. So the Austrian territories were divided by contracts between Austrian dukes several times in short succession between 1370 and 1411. On the other hand, the rising conflicts be- tween the Habsburgs and other sovereigns, mainly the Confederates, seem to have caused the resurrection of the old directories. Apparently the documents, despite their purely symbolic nature, were used in negotiations with the political adversaries as a proof for claims.The importance of the Habsburg Urbar to the political adversaries of the Habsburg can be taken from the Confederate copies after the conquest of the Aargau in 1415. Apparently not on the acquisition and the possession but also the reproduction of documents played and important part in sovereign disputes. It did not suffice to simply capture the stolen documents, for the victors it was just as important to demonstrate the ability and the right to make their “own” documents. This did not only demonstrate their power in the eyes of the “enemy” but also to the “partners in war”. Significantly it was the Bernese who made the first copy of the stolen documents. Lucerne and Zürich were only “allowed” to make copies later. The technique of transcription indicates how strongly the factor of legitimization by tradition is still present in the Confederate state. Three Austrian transcript from the beginning of the 16th century show that it was obviously a question of prestige to have at least the same number of copies as the (former) political adversary. Their production must be related to the increased efforts at the time on the part of emperor Maximilian I to strengthen and develop his position as European monarch, one indication being the stately design of these documents. They indicate Maximilian’s intention to renew the claim to the actually lost territories. Single hints in the documents which shed light on the fate of the Urbar after the conquest of the archive at Baden imply that at least the people entrusted with the retrieval of the stolen documentation still thought of the Habsburgs as the “rightful owners”. The fact that it was still possible for the Habsburgs to make copies of the Urbar at this (late) point in time can also be taken as indication of the mutual acknowledgement of the new “constellation of power” as it resulted from the long lasting conflicts between the Confederates and the Habsburgs at the beginning of the 16th century. All in all it becomes clear that the complete Habsburg Urbar documentation was directed mainly at intersovereign conflicts, the upholding of claims and as a starting point for traditions and the Habsburg Urbar does not indicate an administration according to modern notions. This is the only explanation for the fact that the actual urbar book in form of the so-called “Reinschrift” was only made 1338 and why that book was copied for centuries both by the Habsburgs and the Confederates. Because of the fact that during the writing of the Rotuli and especially for the later compilations they were obviously trying for a late rectification of forgotten circumstances, the Habsburg Urbar definitely has to be taken as a codex of tradition without a an administrative scope but with a main a historiographic scope.

Abstract

Das so genannte Habsburger Urbar ist ein für die landesgeschichtliche Forschung zentrales und im europäischen Raum sehr frühes und einzigartiges Beispiel einer landesherrlichen Urbaraufnahme. Aufgrund seiner detaillierten Angaben vermittelt es ein eindrückliches Bild über die territorialen Herrschaftsansprüche der Habsburger zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Elsass, weiten Teilen der Schweiz, im Schwarzwald und in Schwaben. Eine grundlegende Edition mit einem sehr ausführlichen Kommentar liegt seit gut 100 Jahren vor.1 Leider ist jedoch bis heute nicht geklärt, wie und warum das Habsburger Urbar überhaupt entstand, welche Funktion es innerhalb des habsburgischen Verwaltungsapparates erfüllte und weshalb es Jahrhunderte lang immer wieder unverändert abgeschrieben wurde. Die vorliegende Arbeit möchte die damals selbstverständliche Annahme, es handle sich bei diesem Einkünfteverzeichnis um eine systematische Inventarisierung des tatsächlichen Besitzes der Habsburger, im Lichte neuerer Forschungen zum normativen Gehalt und symbolischen Charakter solcher Schriftstücke revidieren. Hierfür werden die Herstellung und das so genannte „remaking” dieses berühmten Quellenstücks unter Aspekten moderner Vorstellungen zur Verschriftlichung neu untersucht. Ein erstes Resultat dieser Betrachtungen hat ergeben, dass die alte und von der Edition suggerierte Vorstellung korrigiert werden muss, wonach es sich beim Habsburger Urbar um eine geschlossene, sozusagen in einer einmaligen Grossaktion Albrechts I. entstandene Bestandesaufnahme über den landesherrlichen Besitz gehandelt hätte. Auch die Annahme, es müsse von einem vollständig vorhandenen, später jedoch teilweise verloren gegangenen Rodelbestand ausgegangen werden, welcher die gesamten Vorlande umfasste, kann nicht bestätigt werden. Zwischen 1303 und 1314 entstanden zeitlich gestaffelt vier verschiedene Urbare, welche von vier verschiedenen Schreibern stammen, die vier geografisch genau begrenzte Regionen des habsburgischen Einflussbereiches erfassten und dabei auf bereits existierendes Schriftgut zurückgriffen. 2 Die Aufnahme weiterer Gebiete erfolgte erst bei der Herstellung späterer Abschriften dieses Materials. Da die jüngsten berücksichtigten Erwerbungen jedoch vor 1303 erfolgten, darf angenommen werden, dass sämtliche Aufzeichnungen ganz bewusst den Besitz- 1 Maag, Rudolf (Hg.): Das Habsburgische Urbar. Bd.1. Das eigentliche Urbar über die Einkünfte und Rechte. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 14. Basel 1894 und Ders.: Das Habsburgische Urbar. Bd. 2. Pfand- und Revokationsrödel zu König Albrechts Urbar, frühere und spätere Urbaraufnahmen und Lehenverzeichnisse der Laufenburger Linie. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 15. Basel 1899. Dazu ein Kommentar und Register in: Schweizer, Paul u. Glättli, Walther: Das Habsburgische Urbar, Bd. 3, Register, Glossar, Wertangaben, Beschreibung, Geschichte und Bedeutung des Urbars, Basel 1904. 2 Gemeint sind die von Maag und Schweizer als A-, B-, C- und D-Rödel bezeichneten Schriftstücke. stand der Habsburger in den Vorlanden unter den beiden Königen Rudolf I. und Albrecht I. festhalten. Gründe für die Herstellung der verschiedenen Rödel zu Beginn des 14. Jahrhunderts sind einerseits in zwischenherrschaftlichen Auseinandersetzungen zu suchen. So deuten vor allem die in den einzelnen Verwaltungszentren in Ensisheim, Baden und Kyburg angefertigten Verzeichnisse darauf hin, dass mit ihrer Hilfe eine territoriale Aus- und Abgrenzung des habsburgischen Einflussbereiches gegenüber ”fremden” Herrschafts- trägern beabsichtigt gewesen war. Andererseits dürften aber auch Strukturveränderungen innerhalb des habsburgischen Verwaltungsapparates für die Erstellung der Verzeichnisse verantwortlich gewesen sein. Parallel zu den Einkünfterödeln entstanden nämlich auch Pfand- und Revokationsrödel. Letztere erweisen sich bei näherem Hinsehen zur Hauptsache als Verzeichnisse von beanspruchten Gefolgschaften und Besitzrechten über bis anhin nicht der Landesherrschaft zustehende Güter und Rechte, während in den Pfandverzeichnissen der Umgang mit Pfändern als breit eingesetztes Strukturelement von Landesherrschaft überhaupt erscheint. Bei der Erstellung dieser Verzeichnisse ging es weniger darum, die in ihnen genannten Ansprüche tatsächlich einzufordern oder die Pfänder nutzbringend zu bewirtschaften. Viel mehr lag den Habsburgern daran, durch die wiederholte Nennung lokaler Herrschaftsträger, diese stärker oder überhaupt an die Landesherrschaft zu binden. Mittels Schrift wird so eine Gefolgschaft gebildet, die „auf ewig” mit der Herrschaft Habsburg verbunden bleibt und ein Beziehungsgeflecht aufgebaut, das fortan als habsburgisch gilt. Die Inhalte der Urbaraufnahmen nehmen viel stärker als bisher angenommen auf die unterschiedlichen regionalen und lokalen Gegebenheiten Rücksicht, als dass sie übergeordnete, normative Vorstellungen landesherrlicher Zentralverwaltung spiegeln würden. Ausserdem lässt sich nur bei einem relativ geringen Teil der im Urbar angegebenen Besitzungen der Übergang an die Habsburger durch schriftlich abgesicherte Rechtsgeschäfte nachweisen. Je grösser die erworbenen Herrschaftskomplexe als Ganzes sind, desto weniger präzise sind die urkundlichen Angaben. Das Urbar erfüllte also in erster Linie den Zweck, die fehlenden Beweise durch entsprechende Aufzeichnungen zu kompensieren. Hierfür genügt es aber nicht, den aktuellen Stand des Herrschaftsgefüges festzuhalten, sondern es ist nötig, eigentliche ”Besitzgeschichten” zu erzählen. Die genauere Betrachtung einzelner solcher Besitzgeschichten hat ergeben, dass die im Urbar genannten Güterkomplexe weitgehend in der Verfügungsgewalt der ehemaligen Besitzer verblieben sind. Eine Neuordung der Herrschaftsverhältnisse durch neu eingesetzte habsburgische Beamte lässt sich nicht nachweisen. Dadurch muss die klassische Vorstellung über habsburgischen Besitz relativiert werden. Das Urbar verzeichnet nicht die tatsächliche habsburgische Herrschaftsausübung an Ort und Stelle, sondern lässt die Herkunft, politische Beanspruchungsformen und lokale Besonderheiten der beanspruchten Territorien deutlicher hervortreten. Diese Verschriftlichungspraxis wird in den späteren Aufzeichnungen weitergeführt. Anhand verschiedener „Abschreibstränge” lässt sich der symbolische Charakter des Urbars als Grundlage für die Herstellung von Tradition und die Anspruchswahrung in Konflikten zeigen. Die zwischen 1303 und 1314 entstandenen Einkünfterödel werden in den 20er Jahren des 14. Jahrhunderts zum ersten Mal in einem zusammenhängenden Schriftstück zusammengefasst und mit einigen, vor allem „innerschweizerischen” Besitzungen ergänzt. Die Erstellung dieses ersten umfassenderen Verzeichnisses kann mit Friedrich dem Schönen in Bezug gesetzt werden, der sich das Königtum zwar mit Ludwig von Bayern teilen musste, aber dennoch oder gerade deswegen Veranlassung hatte, seine „Haus- macht“ zu stärken, zumal er in der Schlacht bei Morgarten auf kriegerischen Widerstand der Eidgenossen gestossen war. Die Herstellung der „Reinschrift” muss auf Initiative Herzog Albrechts II. anlässlich des Ablaufs des auf fünf Jahre angelegten Landfriedens vom 20. Juli 1333 zwischen den habsburgischen Herrschaftsgebieten in den Vorlanden einerseits und den Städten Basel, Konstanz, Zürich, St. Gallen, Bern, Solothurn und anderen Städten, die als «des riches stette» bezeichnet wurden, auf der anderen Seite erfolgt sein. Sie ist die erste vollständige Kompilation und zugleich auch die letzte Ergänzung sämtlicher bisher erstellten Einkünfterödel. In der Folge „begnügte” man sich mit Kopien oder Teilabschriften der alten Verzeichnisse. Anlässe für die Herstellung der verschiedenen Abschriften im 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren einerseits die innerfamiliären Verhältnisse der Habsburger. So wurden zwischen 1370 – 1411 die österreichischen Länder mehrmals in rascher Folge zwischen verschiedenen österreichischen Herzogen durch Verträge aufgeteilt. Andererseits scheinen aber besonders die zunehmenden Auseinandersetzungen der Habsburger mit den Eidgenossen, Anlässe für die Neuaufnahme der alten Verzeichnisse geboten zu haben. Offenbar wurden die Schriftstücke, obwohl sie nur mehr einen symbolischen Wert besassen, in den Verhandlungen mit dem politischen Gegner als Gegenbeweise zu seinen Forderungen eingesetzt. Wie wichtig das Habsburger Urbar für die politischen Gegner der Habsburger war, zeigen die eidgenössischen Abschriften nach der Eroberung des Aargaus 1415. Offenbar spielte nicht nur das Aneignen und Besitzen, sondern auch die Reproduktion von Schriftstücken eine wichtige Rolle in den herrschaftlichen Auseinandersetzungen. Es genügte nicht, die geraubten Schriftstücke nur zu erobern. Für die Sieger war es ausserdem notwendig, zu zeigen, dass sie in der Lage und im Recht waren, ihrerseits wieder „eigene” Schriftstücke anzufertigen. Dadurch wurde nicht nur Macht gegenüber dem „Feind”, sondern auch gegenüber den eigenen „Kriegspartnern” demonstriert. Bezeichnenderweise waren es dann auch die Berner, welche als erste eine Abschrift der geraubten Schriftstücke herstellten. Luzern und Zürich „durften” das erst später tun. Die Abschreibtechnik zeigt, wie stark der Faktor der Legitimierung durch Tradition auch in der eidgenössischen Staatlichkeit nachwirkt. Dass es offensichtlich auch eine Prestigefrage war, mindestens die gleiche Anzahl von Schriftstücken wie der (ehemalige) politische Gegner zu besitzen, zeigen dann die drei ”österreichischen” Abschriften vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Ihre Herstellung dürfte im Zusammenhang mit den in dieser Zeit verstärkten Bemühungen seitens Kaiser Maximilians I. stehen, seine Stellung als europäischer Herrscher zu festigen und auszubauen. Dafür spricht nicht zuletzt die feierliche Ausgestaltung dieser Dokumente. Sie zeigen die Absicht Maximilians, neuerlich Ansprüche auf die eigentlich längst verlorenen Gebiete zu stellen. Vereinzelte Hinweise in jenen Schriftstücken, welche Aufschluss über das Schicksal des Urbars nach der Eroberung des Archivs zu Baden geben, deuten an, dass zumindest die Leute, welche mit der Rückgewinnung der geraubten Archivalien betraut waren, die Habsburger immer noch als „rechtmässige Herren” betrachteten. Die Tatsache, dass es für die Habsburger zu diesem (späten) Zeitpunkt möglich war, überhaupt nochmals Kopien des Urbars anzufertigen, darf aber mindestens auch als Zeichen für die beiderseitige Anerkennung der neuen „Machtkonstellationen” genommen werden, wie sie sich nach den langen Auseinandersetzungen zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern am Anfang des 16. Jahrhunderts ergeben hatten. Insgesamt wird klar, dass das gesamte urbariale Schriftgut der Habsburger in erster Linie auf zwischenherrschaftliche Konflikte, Anspruchswahrung und Traditionsbildung ausgerichtet war und nicht eine „Administration” modernen Zuschnitts spiegelt. Nur so lässt sich erklären, weshalb das eigentliche Urbarbuch in Form der sogenannten „Reinschrift” erst 1338 entstand, und warum dieses Buch über Jahrhunderte hinweg sowohl von den Habsburgern selbst als auch von den Eidgenossen mehrfach kopiert wurde. Da man sich bereits bei der Herstellung der Rödel und erst recht bei den späteren Kompilationen offensichtlich um die nachträgliche Richtigstellung bereits in Vergessenheit geratener Umstände bemühte, muss das Habsburger Urbar heute eindeutig als Traditionscodex betrachtet werden, der keinen verwaltungstechnischen, sondern in erster Linie einen historiografischen Zweck erfüllte.

The Habsburger Urbar, as it is known, is an example of the inception of an Urbar by the territorial lord. For the European zone it represents a unique and very early example and its status in regiohistorical research is vital. Because of the richness of its information it conveys an impressively detailed image of the Habsburg territorial claims to power in the Alsace, great parts of Switzerland, the Black Forest and in Swabia at the beginning of the 14th century. A basic edition with a very extensive commentary has been available for more than 100 years.3 Unfortunately, it is still not clear how and why the Habsburger Urbar was conceived, which function it had within the Habsburg admin- istrative apparatus and why it was reproduced for centuries without modifications. Based on recent research on the normative content and the symbolic character of directories of revenues this paper wants to revise the assumption, which was self-evident at the time, that this directory of revenues was an orderly inventory of the actual possession of the Habsburgs. For this purpose the production and the so-called “remaking” of this famous source was analyzed under the aspects of modern conceptions of Verschriftlichung. A first result of these observations indicates that a revision is necessary of the old notion suggested by the edition of Maag that the Habsburger Urbar presents a closed inventory of the sovereign’s possessions, more or less produced in a singular tour de force under the reign of Albrecht I. Furthermore, it is not possible to confirm the assumption of a complete inventory of the Vorlande, of which parts were lost later on. Between 1303 and 1314 four different records were created in different phases. These were made by four different scribes which recorded four geographically well-defined regions of the Habsburg circle of influence and which referred to existing documents. The records for additional areas were only added in the reproduction of later copies of this material. But since the newest mentioned acquisitions happened before 1303, one can assume that all the documentation is intended to record the possessions of the Habsburgs in the Vorlande under the reigns of the two kings Rudolf I and Albrecht I. The reasons for the production of the different Rotuli at the beginning of the 14th century can be found on the one hand in the intersovereign disputes. Especially the directo- ries made in the administrative centres in Ensisheim, Baden and Kyburg indicate that the intention of the directories was a dissociation and exclusion of “foreign” dominions 3 Maag, Rudolf (Hg.): Das Habsburgische Urbar. Bd.1. Das eigentliche Urbar über die Einkünfte und Rechte. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 14. Basel 1894 and ibid: Das Habsburgische Urbar. Bd. 2. Pfand- und Revokationsrödel zu König Albrechts Urbar, frühere und spätere Urbaraufnahmen und Lehenverzeichnisse der Laufenburger Linie. In: Quellen zur Schweizer Geschichte Bd. 15. Basel 1899. A commentary and register in: Schweizer, Paul u. Glättli, Walther: Das Habsburgische Urbar, Bd. 3, Register, Glossar, Wertangaben, Beschreibung, Geschichte und Bedeutung des Urbars, Basel 1904. from the Habsburg circle of influence. On the other hand, structural changes within the Habsburg administrative organization must have been responsible for the creation of the directories. Parallel to the Rotuli of the revenues, Rotuli of pledges and of revocations were made. At closer inspection the latter turn out to be mainly directories of claimed allegiances, rights of ownerships of commodities and rights the dominion had not been entitled to up to that time. While the directories of pledges, on the other hand, indicate that the usage of pledges was a widely deployed structural element in the dominion in general. The creation of the directories was less about actually collecting the mentioned claim or to manage the pledges in a profitable way, the Habsburgs were more interested in tying local potentates to the Habsburg dominion or to incorporate them more by repeated mentions. The transcript thus forms an allegiance tied “forever” to the reign of the Habsburgs and the locals are inserted into a network which henceforth is known as Habsburg. The contents of the Urbar take the different regional and local circumstances into account to a much greater degree than assumed up to now and than the superordinate, normative image of the sovereign central administrative apparatus would imply. Furthermore, only for a rather small part of the possessions mentioned in the Urbar can the acquisition by the Habsburgs be accounted for by written legal documentation. The bigger the dominions are as a whole, the less precise the documentation. Thus as will be shown the main function of the Urbar is to compensate for the missing proof with the corresponding records. For this purpose it does not suffice to record the current condition of the rule structure but it would be necessary to tell “stories of possessions”. The examination of single stories of possession has shown that the commodities mentioned in the Urbar stayed under the management of the former owners to a large extent. A reorganization of the sovereign structures by newly appointed Habsburg officials cannot be proven. There- fore, the classic image of the Habsburg possessions has to be put into perspective. The Urbar does not record the actual Habsburg exertion of control in situ but illustrates the origins, forms of political claims and local characteristics of the claimed territories. This practice of transcription is continued in later directories. Based on different “strands of copying” one can show the symbolic nature of the Urbar as a basis for traditions and protection of claims in times of conflicts. In the twenties of the 14th century the Rotuli of revenue made between 1303 and 1314 were joined into a single coherent document for the first time and supplemented with a few, mainly “Innerswiss” possessions. The inception of this first more encompassing directory can be related to the Frederick the Handsome, who had to share the kingdom with Louis the Bavarian, but still or maybe because of that had motive to fortify his “power base”, especially since he had encountered the warlike resistance of the Swiss Confederation in the Battle of Morgarten. The production of the “Reinschrift” must have been initiated by Duke Albert II on the occasion of the end of the 5 years of public peace of July 20 1333 between the Habsburg sovereignties in the Vorlande on the one hand, and the cities Basel, Konstanz, Zürich, St. Gallen, Bern, Solothurn and other cities which were known as «des riches stette» on the other hand. The “Reinschrift” is the first complete compilation and also the last addendum to all preceding revenue rödels. From then on one was “satisfied” with copies and partial copies of the old directories. Occasions for the different transcripts in the 14th century and at the beginning of the 15th century were on the one hand the innerfamiliar relations of the Habsburgs. So the Austrian territories were divided by contracts between Austrian dukes several times in short succession between 1370 and 1411. On the other hand, the rising conflicts be- tween the Habsburgs and other sovereigns, mainly the Confederates, seem to have caused the resurrection of the old directories. Apparently the documents, despite their purely symbolic nature, were used in negotiations with the political adversaries as a proof for claims.The importance of the Habsburg Urbar to the political adversaries of the Habsburg can be taken from the Confederate copies after the conquest of the Aargau in 1415. Apparently not on the acquisition and the possession but also the reproduction of documents played and important part in sovereign disputes. It did not suffice to simply capture the stolen documents, for the victors it was just as important to demonstrate the ability and the right to make their “own” documents. This did not only demonstrate their power in the eyes of the “enemy” but also to the “partners in war”. Significantly it was the Bernese who made the first copy of the stolen documents. Lucerne and Zürich were only “allowed” to make copies later. The technique of transcription indicates how strongly the factor of legitimization by tradition is still present in the Confederate state. Three Austrian transcript from the beginning of the 16th century show that it was obviously a question of prestige to have at least the same number of copies as the (former) political adversary. Their production must be related to the increased efforts at the time on the part of emperor Maximilian I to strengthen and develop his position as European monarch, one indication being the stately design of these documents. They indicate Maximilian’s intention to renew the claim to the actually lost territories. Single hints in the documents which shed light on the fate of the Urbar after the conquest of the archive at Baden imply that at least the people entrusted with the retrieval of the stolen documentation still thought of the Habsburgs as the “rightful owners”. The fact that it was still possible for the Habsburgs to make copies of the Urbar at this (late) point in time can also be taken as indication of the mutual acknowledgement of the new “constellation of power” as it resulted from the long lasting conflicts between the Confederates and the Habsburgs at the beginning of the 16th century. All in all it becomes clear that the complete Habsburg Urbar documentation was directed mainly at intersovereign conflicts, the upholding of claims and as a starting point for traditions and the Habsburg Urbar does not indicate an administration according to modern notions. This is the only explanation for the fact that the actual urbar book in form of the so-called “Reinschrift” was only made 1338 and why that book was copied for centuries both by the Habsburgs and the Confederates. Because of the fact that during the writing of the Rotuli and especially for the later compilations they were obviously trying for a late rectification of forgotten circumstances, the Habsburg Urbar definitely has to be taken as a codex of tradition without a an administrative scope but with a main a historiographic scope.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Sablonier Roger, Stercken Martina
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Uncontrolled Keywords:Geschichte, Geschichte 1311, Edition, Urbar
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2008
Deposited On:28 Jun 2019 11:58
Last Modified:07 Apr 2020 07:16
Number of Pages:284
OA Status:Green
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